Friday, April 27, 2007

Tori Amos: American Doll Posse (Sony Music)

Tori Amos ist schon eine Sondererscheinung in der heutigen Musikszene. Unbeirrt geht die Pianofrau ihren Weg und lässt sich nicht vom Zeitgeist infizieren. Aus diesem Grund finden sich auf "American Doll Posse" auch wieder die gewohnten Songs. Viel Klavier, viel Kate Bush-mässiger Gesang und vereinzelte Gitarreneruptionen. Auch wenn die ewigen Feminismus-Themen in den Texten manchmal nerven, so sind sie doch nie platt und unreflektiert. Auch mit Politik setzt sich die Gute dieses Mal auseinander, nur halt "aus Sicht der Frau". Für Fans von Tori Amos ist "American Doll Posse" ohnehin ein Pflichtkauf, aber auch zum ersten Kennenlernen ist das Album ein echter Appetithappen. Ausserdem gibts auf der Platte ganze 23 (!) Tracks, wer macht das heute schon noch...

Thursday, April 26, 2007

Soundtrack: Quentin Tarantinos Death Proof (Warner Music)

Ob "Pulp Fiction", ob "Jackie Brown" oder die beiden genialen Teile von "Kill Bill" - ohne die Soundtracks geht es nicht, denn Tarantinos Filme sind untrennbar mit ihrer Musik verbunden. Sie ist das mehrdimensionale Hintergrundrauschen, der nicht ausgesprochene Dialog, das unsichtbare Bild. Nicht umsonst kümmert sich der Meister höchstpersönlich um die Songs, auf der die Filme durch ihre meist ziemlich deftigen und spektakulären Bilder surfen. "Death Proof" heißt Tarantinos neuestes Werk, das mit Kurt Russell einen der markantesten Anti-Helden des Actionfilms in der Hauptrolle zeigt. Als Stuntman Mike verfolgt er mit seinem Muscle-Car drei unberechenbare Amazonen in Form der DJane Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier) und ihre besten Freundinnen Shanna (Jordan Ladd) und Arlene (Vanessa Ferlito). Sie zu jagen ist seine Besessenheit, doch die Girls sind mehr als eine Herausforderung – sie sind Mikes Schicksal. Konsequent in der Ästhetik der "Grindhouse"-Kinoshows gehalten, die das Kinopublikum von den Vierzigern bis in die späten Siebziger mit billigem Sex, Crime und Gewalt versorgten, widmet sich Tarantino damit also wieder einmal seinem Lieblingsthema: Dem kinematografischen Trash, der, wenn man es nur konsequent genug anpackt, Großes hervorbringt.Wie von Tarantino kaum anders zu erwarten, greift auch der Soundtrack tief in die Kiste – lauter Hits und Highlights aus den 60er und 70er Jahren, von denen man manche schon vergessen hat, andere nie vergessen wird. Aber es sind durchweg Songs, die – jeder für sich – intensive Atmosphären mitbringen und das ganz spezielle Flair des Films perfekt in Töne umsetzen. Da ist zum Beispiel "Jeepster" von Marc Bolans Band T-Rex, dem ersten britischen Glamrock-Act, der die Teenies reihenweise in Ohmmacht beförderte, da ist "Staggolee" von Pacific, Gas & Electric, die seinerzeit die Bluesszene in San Francisco aufmischten, "Down In Mexico" von den Doo-Wop-Helden The Coasters und die Stax-Legende Eddie Floyd mit "Good Love, Bad Love". Aber es gibt auch eine Verbeugung vor dem größten aller Filmkomponisten, Ennio Morricone, dessen Komposition "Paranoia Prima" den Soundtrack herrlich ergänzt. Außerdem: Jack Nitzsche, Smith, Joe Tex, Dave Dee, Willy DeVille, Eddie Beram und April March. Eingestreut sind einige Schlüsseldialoge mit Russell, Rose McGowan, Eli Roth und Michael Bacall.

Wednesday, April 25, 2007

Money Mark: Brand New By Tomorrow (Universal)

"Brand New By Tomorrow" ist definitiv keine Platte, die einen morgens aus dem Bett holt. Es sei denn es soll ein sanfter Einstieg in den Tag werden, der leicht verträumt und ganz entspannt anfängt, wie etwa ein Frühlingssonntag, zu dessen Faulenzen in der Sonne "Brand New By Tomorrow" die perfekte Hintergrundmusik bietet. Der Vergleich zu Senkrechtstarter Jack Johnson ergibt sich nicht von ungefähr. Mark Ramos-Nishita alias Money Mark hat Johnson auf Tour begleitet und nun bringt dessen Label "Brushfire Records" Money Marks neuste Platte heraus, die perfekt in das "Brushfire"-Repertoire passt, wo sich auch Namen wie Donavon Frankenreiter und G. Love tummeln.

Tuesday, April 24, 2007

Mad Caddies: Keep It Going (Fat Wreck Chords)

Diese Platte dürfte dem Kanzalah schmecken! Mit ihrem neuesten Album "Keep It Going" verschreiben sich die Mad Caddies aus Kalifornien mehr denn je dem klassischen Reggae. Der Punk-Anteil der Songs ist fast schon verschwindend klein, nur sehr selten bricht ein Song gegen Ende der Spielzeit völlig aus und lässt die Gitarren den dominierenden Part eines Songs übernehmen. Doch mit Einflüssen aus Punk und Reggae wäre "Keep It Going" nicht hinreichend beschrieben, so wird man hier auch Einflüsse von Ska, Country und sogar Dixieland zu hören bekommen.

Monday, April 23, 2007

Machine Head: The Blackening (Musikvertrieb)

Mit ihrem neuen Werk "The Blackening" schmeißen die thrashigen Jungs von Machine Head eine der wohl meist erwarteten Platten des Jahres 2007 auf den Markt. Wahrlich, es ist nicht leicht, nach einem hymnenhaft gelobten letzten Album "Through The Ashes Of Empire", sich zu übertreffen und das Publikum zu beeindrucken. Was die Spielzeit der einzelnen Songs anbelangt, ist ihnen ein Überbieten sicherlich gelungen... Über den musikalischen Inhalt scheiden sich jedoch die Geister. Bei der Musikpresse kommt die Platte sehr gut an, das deutsche Magazin "Visions" wählte sie glatt zur Platte des Monats. Alteingesessene Fans könnten mit den gerade mal acht Songs und ihrer enormen Komplexität aber ihre Mühe haben.

Porcupine Tree: Fear Of A Blank Planet (Musikvertrieb)
Kaum eine Band vermag die Musikstile derart auszuloten und Grenzen zu überschreiten, wie es Porcupine Tree auf ihrem neuen Album "Fear Of A Blank Planet" wieder einmal tun. Nur sechs Songs befinden sich darauf, die es in sich haben. Vom paranoiden und antreibenden Titeltrack gehts über ruhige, treibende Klänge auf "My Ashes" bis hin zu einer 17-Minütigen Irrfahrt mit ausschweifendem instrumentalem Zwischenteil, brachialem Drum-Gewitter, einprägsamer Melodie und sphärischem Schlussteil im Song "Anesthetize".Die Abwechslung präsentiert sich nicht nur in den Melodien, sondern auch im Gesang von Steven Wilson der sich jeweils mit seiner Wandlungsfähigkeit der Musik anpasst. Kein leichtes Unterfangen, wechselt diese pro Song mehrmals das Tempo sowie die Intensität und windet sich um die eigene Achse. Am 17. Juni stellen Porcupine Tree ihr neues Album live am Greenfield Festival in Interlaken vor.

Sunday, April 22, 2007

The Nightwatchman: One Man Revolution (Sony Music)

Der Gitarrist der Rockbands Audioslave und Rage Against The Machine, Tom Morello, bringt unter dem Pseudonym The Nightwatchman sein erstes Soloalbum "One Man Revolution" heraus. Auf der Platte, auf welcher der Gitarrist erstmals auch singt, geht es in 13 folkigen Songs unter anderem um Kritik an der US-Regierung, den Irakkrieg und die amerikanische linke Undergroundszene. Der in New York geborene Politaktivist Morello führte in den vergangenen Jahren eine Art Doppelleben. Wenn seine Band gerade mal nicht im Studio oder auf Tour war, war der 42-Jährige als Singer-Songwriter nur mit seiner Akustikgitarre in kleinen kalifornischen Caféhäusern und auf politischen Veranstaltungen unterwegs.
Zusammen mit Serj Tankian von System of a Down gründete Morello, der an der US-Eliteuniversität Harvard Geschichte studierte, die Organisation «Axis of Justice», um Musiker, Fans und Aktivisten zusammenzubringen und für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Seinen politischen Aktivismus hat er von seiner Familie geerbt: Sein Großonkel war der erste Präsident Kenias, sein Vater Guerillakämpfer und seine Mutter Gründerin einer Organisation gegen Zensur.

Saturday, April 21, 2007

Maximo Park: Our Earthly Pleasures (Musikvertrieb)
Maximo Park sind sich auf ihrem zweiten Album treu geblieben. Wendungen, die 80er-Gedächtnis-Keyboards, die prägnante Stimme und das grandiose Songwriting. Alles da. Aber es gibt auch auffällige Änderungen. Die Produktion ist irgendwie dichter, geschliffener, grösser einfach. Das nimmt den beileibe nicht schlechten Songs etwas die Wucht, die noch das vorherrschende Element des Vorgängers war. Dies fällt vor allem im direkten Vergleich auf. Aber keine Angst, es ist noch genug Energie da. Aber kann diese auch in grandiose Songs gebündelt werden? Zu grossen Teilen schon. Spätestens beim fünften Anlauf macht “Our Earthly Pleasures” richtig Spass. Ausfälle gibt es kaum, “Russian Literature” kommt nicht so recht in Fahrt, “Parisian Skies” zeigt erst ganz zum Schluss seine Schönheit. Das geht aber in Ordnung. “Our Earthly Pleasures” ist Pop. Teils wahnwitzig, teils kraftvoll, hier und da anrührend und die meiste Zeit einfach grandios.

Thursday, April 19, 2007

Herbert Grönemeyer: 12 (EMI)

Der Mann, den man beim Singen nicht immer so richtig versteht, ist wieder da. Herbie liefert 12 neue Songs, die auch in der Schweiz wieder voll einschlugen. Seit einigen Wochen hält sich der Gute mittlerweile in den CH-Top Ten. Wie immer setzt Grönemeyer auf Popsongs voller Pathos und legt Wert auf Lieder mit Inhalt. Die Platte braucht einige Hördurchläufe, kann aber mit den bisherigen Werken mithalten.

Wednesday, April 18, 2007

LCD Soundsystem: Sound Of Silver (EMI)

Leider muss ich den Kanzalah gleich zu Anfang entäuschen. Dieses Soundsystem macht nämlich weder Reggae noch Dancehall... LCD Soundsystem ist das Soloprojekt von James Murphy, Mitbegründer des Indie Labels "DFA Records" und gerne als "Pharell Williams des PunkFunks" Bezeichneter. Die Musik von LCD Soundsystem kann als gelungene Mischung aus Dance und Punk beschrieben werden, die aber auch Elemente aus Disco und anderen Stilen umfasst. Eine Kostprobe seines Könnens liefert James Murphy am diesjährigen Open Air St. Gallen.

Tuesday, April 17, 2007

Static-X: Cannibal (Warner Music)

Heute gibt's was aus der Grusel-Ecke. Die US-Band Static-X ist so grottenscheisse, dass sie fast schon wieder cool ist. Man stelle sich vor, dass diese Combo seit 1999 bei einem Major-Label ist, wer kauft bloss diese Platten? Meine Vermutung geht dahin, dass der ganze kommerzielle Erfolg von Static-X auf der schrägen Frisur ihres Sängers beruht, denn die ist echt ausgefallen:-) Ich habe die Band 2001 als Support im Volkshaus gesehen, waren eigentlich ganz nette Jungs. Aber der Sound... Jedes Mal dasselbe Muster: Stakkato-Riffs, Elektro-Spielereien und Wayne Statics "Gesang"... Der Refrain besteht regelmässig aus ein bis zwei Worten, "Canibaaaaaal" etc. Naja, wohl bekomm's!

Saturday, April 14, 2007

Kosheen: Damage (Universal)

Nach ihrem Ausflug in die Rockgefilde auf dem letzten Album "Kokopelli" wenden sich Kosheen auf ihrer neuen Platte wieder ganz den elektronischen Klängen zu. Ganz verschwunden sind die Gitarren zwar nicht, aber doch deutlich in den Hintergrund gerückt. Man hört also endlich wieder heraus, dass das Trio aus Bristol, der Heimat des TripHop, kommt:-) Kosheen spielen am 18. April 2007 im Zürcher Volkshaus.

Friday, April 13, 2007

Sivert Hoyem & The Volunteers: Exiles (EMI)
Wem die schwermütigen Songs der norwegischen Band Madrugada schmecken, dem wird die Platte ihres Sängers Sivert Hoyem mit seiner Zweitband The Volunteers (benannt nach The Volunteers Of The International Brigade aus dem Spanischen Bürgerkrieg) ebenfalls gefallen. Der Mann mit der charismatischen Stimme hat auf "Exiles" wieder mal bewiesen, dass er ein geniales Songwritertalent hat was melancholische Lieder angeht. Hammer-Platte!

Wednesday, April 11, 2007


G. Love: Lemonade (Universal)

Noch immer hält sich das Gerücht, der jetzige Labelboss von "Brushfire Records", Jack Johnson, habe G. Love entdeckt. In Wirklichkeit verhielt es sich genau umgekehrt aber was soll's... Garett Dutton alias G. Love veröffentlichte bereits 1994 eine Platte, die in den USA Gold-Status erhielt und einen neuen Stil schuf: HipHop-Blues. Fünf Jahre später lernte G. Love den damals noch unbekannten Jack Johnson kennen (beim Surfen natürlich...) und es entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft. Seinen Stil hat G. Love auch auf seiner neuesten Platte beibehalten, eine Mischung aus HipHop, Blues und Phillysound. Cooles Easy Listening...

Monday, April 9, 2007

Beatsteaks: Limbo Messiah (Warner Music)

Die Berliner Beatsteaks melden sich mit einem starken Album zurück. Nachdem sie vor drei Jahren vor allem dank dem eingängigen Song "I Don't Care As Long As You Sing" den verdienten Durchbruch geschafft hatten, war zu befürchten, dass ihr nächstes Album recht poppig daher kommen würde. Diese Ängste waren offensichtlich unbegründet, denn das Album ist eine ziemlich klare Absage an den Pop. Gerade mal 31 Minuten lang ist "Limbo Messiah", typisch für eine echte Punk-Platte. Die Beatsteaks spielen am 29. Mai 2007 im Zürcher Volkshaus.

Friday, April 6, 2007

Kaiser Chiefs: Yours Truly, Angry Mob (Universal)

Diese CD dürfte auch dem Doktor schmecken:-) Die Kaiser Chiefs aus Leeds (unterstützen übrigens auch den hiesigen Club Leeds United) räumten mit ihrem Debüt "Employment" vor zwei Jahren ordentlich ab und daher waren die Erwartungen an den Zweitling entsprechend hoch. Die fünf Jungs haben sich recht gut gehalten auf Album Nummer 2. Einziger Fehler war vielleicht, den Hammer-Song "Ruby" als ersten auf die Tracklist zu setzen. Denn die elf folgenden Stücke sind zwar meist auch recht eingängig, kommen aber logischerweise niemals an "Ruby" heran. Wer die Kaiser Chiefs live sehen möchte, kann dies am kommenden St. Galler Open Air im Sittertobel tun.

Thursday, April 5, 2007

Soundtrack: Music And Lyrics (Warner Music)

Kaum zu glauben aber auf dem Soundtrack zur erfolgreichen Frühlingsschnulze "Mitten ins Herz" singt Hugh Grant rund die Hälfte aller Songs selbst! So wurde er unverhofft auch noch zum Popstar. Vor allem der Ohrwurm 80s-Verschnitt "Pop! Goes My Heart" besitzt erhebliches Suchtpotential...

Within Temptation: The Heart Of Everything (Sony/BMG)

Die Utrechter Gothic-Metaller melden sich nach dem Mega-Erfolg ihres Vorgängers-Albums "The Silent Force" wieder zurück und konnten bereits die Schweizer Top Ten knacken. Für die erste Single "What Have You Done" holte die Band Keith Caputo, seines Zeichen Sänger der amerikanischen Hardcore-Band "Life Of Agony" ins Boot. Ein Muss nicht nur für Gothic-Fans... Within Temptation kommen mit ihrer überaus attraktiven Frontfrau Sharon Den Adel übrigens am 2. Oktober 2007 ins X-tra nach Zürich!