Soundtrack: Quentin Tarantinos Death Proof (Warner Music)Ob "Pulp Fiction", ob "Jackie Brown" oder die beiden genialen Teile von "Kill Bill" - ohne die Soundtracks geht es nicht, denn Tarantinos Filme sind untrennbar mit ihrer Musik verbunden. Sie ist das mehrdimensionale Hintergrundrauschen, der nicht ausgesprochene Dialog, das unsichtbare Bild. Nicht umsonst kümmert sich der Meister höchstpersönlich um die Songs, auf der die Filme durch ihre meist ziemlich deftigen und spektakulären Bilder surfen. "Death Proof" heißt Tarantinos neuestes Werk, das mit Kurt Russell einen der markantesten Anti-Helden des Actionfilms in der Hauptrolle zeigt. Als Stuntman Mike verfolgt er mit seinem Muscle-Car drei unberechenbare Amazonen in Form der DJane Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier) und ihre besten Freundinnen Shanna (Jordan Ladd) und Arlene (Vanessa Ferlito). Sie zu jagen ist seine Besessenheit, doch die Girls sind mehr als eine Herausforderung – sie sind Mikes Schicksal. Konsequent in der Ästhetik der "Grindhouse"-Kinoshows gehalten, die das Kinopublikum von den Vierzigern bis in die späten Siebziger mit billigem Sex, Crime und Gewalt versorgten, widmet sich Tarantino damit also wieder einmal seinem Lieblingsthema: Dem kinematografischen Trash, der, wenn man es nur konsequent genug anpackt, Großes hervorbringt.Wie von Tarantino kaum anders zu erwarten, greift auch der Soundtrack tief in die Kiste – lauter Hits und Highlights aus den 60er und 70er Jahren, von denen man manche schon vergessen hat, andere nie vergessen wird. Aber es sind durchweg Songs, die – jeder für sich – intensive Atmosphären mitbringen und das ganz spezielle Flair des Films perfekt in Töne umsetzen. Da ist zum Beispiel "Jeepster" von Marc Bolans Band T-Rex, dem ersten britischen Glamrock-Act, der die Teenies reihenweise in Ohmmacht beförderte, da ist "Staggolee" von Pacific, Gas & Electric, die seinerzeit die Bluesszene in San Francisco aufmischten, "Down In Mexico" von den Doo-Wop-Helden The Coasters und die Stax-Legende Eddie Floyd mit "Good Love, Bad Love". Aber es gibt auch eine Verbeugung vor dem größten aller Filmkomponisten, Ennio Morricone, dessen Komposition "Paranoia Prima" den Soundtrack herrlich ergänzt. Außerdem: Jack Nitzsche, Smith, Joe Tex, Dave Dee, Willy DeVille, Eddie Beram und April March. Eingestreut sind einige Schlüsseldialoge mit Russell, Rose McGowan, Eli Roth und Michael Bacall.