Friday, June 29, 2007

Sophie Ellis-Bextor: Trip The Light Fantastic (Universal)

Die mittlerweile 28-jährige Sophie Ellis-Bextor ist aus der Babypause zurück und veröffentlicht ihr neues Album "Trip The Light Fantastic". Der Eröffnungstrack "Catch You" vereint Gitarren, schwungvolle Keyboard-Klänge und eine Pop-Melodie, die sofort ins Ohr geht. "Me And My Imagination" erinnert an Sophies sonnige Tage auf Ibiza: Discopop trifft auf betörende Geigen und einen groovenden House-Beat. Danach folgt der nette melancholische Popsong "Today The Sun´s On Us". Der vierte Track "New York City Lights" weckt Erinnerungen an Disco-Pop a la Abba oder A-ha. Bei "If You Go" ertönen im Hintergrund Samba-Rhythmen, eine gleichermassen sonnig-fröhliche wie seichte Angelegenheit. In "Only One" verspricht Sophie "Tränen in Wein zu verwandeln" – eine vielversprechende Aussage, die von einem einen Saxophon-Solo unterstrichen wird. Zweifelsohne gehört dieser Song zu den besseren auf dem Album. Erwähnenswert noch "New Flame", ein New Wave-Stück mit dezenten Ska-Offbeats. Insgesamt geht es auf Sophie Ellis-Bextors neuem Album recht verspielt und heiter zu. Hauptthema bei den meisten Songs ist die Sonne und wie man sie am besten erreicht, bevor sie untergeht. Die Fans werden wohl auch dieses Mal auf ihre Kosten kommen. Die Pop-Diva setzt auf tanzbare, poppige Stücke, die recht schnell ins Ohr gehen

Thursday, June 28, 2007

Amy Winehouse: Back To Black (Universal)

Hatten auf ihrem Debüt "Frank" noch eher glatt gebügelte Jazz-Pop-Töne die Richtung vorgegeben, wendet sich Amy Winehouse auf Album Nummer Zwei den Soul- und Motown- Klängen der 60er-Jahre zu. "Back To Black" ist hier wirklich Programm. Die Songs drehen sich inhaltlich um das Leben der 23-jährigen Künstlerin, die in keinster Weise ein Kind von Traurigkeit ist. Von Magersucht wird gemunkelt, ihre Alkoholexzesse sind belegt und bildeten auch den Grundstein für den Albumopener und Superhit "Rehab". Sinngemäss singt sie hier: "Sie meinten, ich solle in eine Entzugsklinik gehen, aber ich sagte: Nein, nein, nein". An mehr als einer Stelle der Platte macht Winehouse klar, dass sie kein Engel ist und auch gar nicht vor hat, einer zu sein. Kaum verwunderlich auch, wenn die Sängerin ihrem Ex-Freund an anderer Stelle noch ein paar Nettigkeiten auf den Weg gibt:-) Auf der soeben erschienen Special Edition der Platte gibts auch noch 5 exklusive Live-Tracks als Goodie.

Tuesday, June 26, 2007

Ocean's 13


Hä? Das ist wohl der erste Gedanke wenn man den Soundtrack von Ocean's 13 anhört. Bei CD Numero Uno (Ocean's Eleven) setzten die Macher noch auf Stars wie Perry Como und Konsorten, bei CD zwei (Ocean's Twelve) immerhin noch auf David Holmes doch bei CD Nummer 3 sind den ozeanischen Leutchen schliesslich vollends die Stars ausgegangen. Kein Wunder beim neusten Film rund um Dany Ocean's Gaunerbande ist ein solche grosses Staraufgebot am Start (Hurra Al Pacino, Pfui Brad Pitt) dass wahrscheinlich für die Musik einfach kein Geld mehr vorhanden war. Das soll keine generelle Kritik am Soundtrack sein. Er unterstützt die verschiedenen Nuancen des Movies und eignet sich durchaus als Hintergrundmusik für Cocktailpartys oder für Fahrstuhlmusik ;-). Ocean's Thirteen ist eine durchaus schmackhafte CD für ruhige Stunden. Wer aber auf Lieder mit Gesang oder einer ordentlichen Action steht - in den Worten von Jacky Threehorn: Eine gute Story, und wahre Gefühle - der ist hier ein wenig fehl am Platz. Der Ocean's Thirteen ist ideal für Fans des Films, für Musikfans hingegen ist die CD nicht gerade ideal.

Thursday, June 21, 2007

Wilco: Sky Blue Sky (Warner)

Als Songschreiber konnte man sich auf Jeff Tweedy schon immer verlassen. Weniger absehbar war die Art und Weise der Umsetzung seiner großartigen Songs mit der ständig wechselnden Besetzung seiner Band Wilco. Auf dem 2002er-Album "Yankee Hotel Foxtrot" versuchte Tweedy sich erstmals an elektronischen Lautmalereien als integraler Bestandteil seiner Kompositionen. Auf "A Ghost Is Born" (2004) perfektionierte er diese Herangehensweise, was zu Irritationen und Brüchen führte, der Qualität dieser Alben aber keinen Abbruch getan hat. Nun sind Wilco mit neuer Besetzung und ihrem sechsten Studioalbum "Sky Blue Sky" zurück. Und, der wesentliche Punkt sei vorweggenommen, die elektronischen Elemente und Klang-Experimente sind komplett aus den Arrangements verschwunden. Das öffnet den Raum für das grossartige Spiel der Musiker, ihre Instrumente effektiv in Szene zu setzten. Klavier, Keyboard, Gitarren und Schlagzeug gehen harmonisch Hand in Hand und entwerfen einen coolen Sound, der an den Westcoast-Pop der 70er-Jahre angelehnt ist und Blues-, Rock- und Jazzessenzen aufgreift.

Wednesday, June 20, 2007

Afghan Whigs: Unbrekable - A Retrospective (Warner)

Eine den Rock stark beeinflussende Band blickt zurück - mit zwei neuen Songs. 2001 gaben The Afghan Whigs nach über 14 Jahren und sechs Studioalben ihre Auflösung bekannt. Sie waren eine der einflussreichsten Bands auf dem alternativen Rocksektor der frühen 90er, Kritiker-Lieblinge und Anti-Stars. Nun gibt es ein Album der Retrospektive. Im Zentrum der The Afghan Whigs stand immer Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter Greg Dulli. Seine verschlüsselten Texte und einzigartige Stimme gaben dem Moll und der Tiefe der Musik den richtigen Unterton: düster, kraftvoll und eigen. Dullis neue Band The Twilight Singers, ist nicht mehr wirklich neu. Schon zu Lebzeiten der The Afghan Whigs begann er unter jenem Namen nebenbei Musik zu machen. Mittlerweile hat er diese Band zu seinem musikalischen Hauptprojekt gemacht und mit “Powder Burns” bereits das vierte Album veröffentlicht.„Unbreakable“ bietet nun eine Auswahl von 18 Songs aus dem langjährigen Schaffen der Afghan Whigs. Es ist eine recht ausgewogene Mischung aus Songs von den ersten Sub Pop-Releases, den grandiosen Elektra-Alben "Gentlemen" und "Black Love" und auch dem letzten Werk mit dem Titel "1965".

Ghosts: The World Is Outside (Warner)

Manche Bands brauchen ein paar Anläufe, bis es mit dem Durchbruch klappt. Ghosts wurden bereits 2003 in den einschlägigen Brit-Postillen als einer der nächsten großen Pop-Acts in die Hype-Maschinerie geworfen, damals hießen die studierenden Musikanten allerdings noch Polanski. Und dann waren es die Kollegen von Keane, die damals zu den Superstars der Saison wurden. Vier Jahre später treten Sänger Simon Pettigrew und seine Jungs erneut an, das nächste große Ding zu werden, und wenn man sich das langsam anschwellende Raunen über "The World Is Outside" so anhört, dann könnte es sogar gelingen. Aber das sagt noch nichts über die Qualität der Platte aus. Abgesehen vom Opener "Stay The Night", der ordentlich Stimmung macht und täglich im Radio läuft, der in den iTunes-Charts erprobten Single "Musical Chairs" und einigen anderen zuckersüssen Popsongs, bieten Ghosts wenig Originalität. Ihren Rivalen von Keane haben sie immerhin ein wichtiges Element voraus: die - wenngleich spärlich eingesetzte - Gitarre.

Tuesday, June 19, 2007

Fair To Midland: Tales From A Mayfly (Universal)

Wer auf ordentlich fette Gitarren steht, ist bei Fair To Midland genau richtig aufgehoben. Die Band, die vom Label von System Of A Down-Shouter Serji Tankian gesignt wurde, passt nicht wirklich in eine Schublade. Mit ihrem musikalischen Stil durchlaufen sie mehrere Genres und lassen sich dennoch nicht fassen. Gegründet wurde die Band 1998 in Texas und eroberte von dort aus die Rock-Welt. Momentan sind sie unter anderem mit der japanischen Combo Dir En Grey und der US-Band Flyleaf auf Tournee in Europa. Diesen Sommer werden Fair To Midland zudem am legendären deutschen "Rock Am Ring" Festival spielen.

Hinder: Extreme Behavior (Universal)

Es fällt schwer Bands wie 3 Doors Down oder Nickelback an dieser Stelle nicht zu erwähnen, doch die Stimme von Austin Winkler erinnert stark an Chad Kroeger und auch musikalisch erfinden Hinder, die derzeit in ihrem Heimatland USA grosse kommerzielle Erfolge verbuchen, das Rad nicht neu. Jeder der zehn mit hitverdächtigen Refrains ausgestatteten Rock-/Alternative-Songs auf "Extreme Behavior" bewegt sich im Midtempo-Bereich und könnte ohne Weiteres den ganzen Tag im Radio rauf und runter gespielt werden. Und auch wenn die Songs für meinen Geschmack insgesamt etwas zu glatt gebügelt wirken, machen vor allem "By The Way" und "Homecoming Queen" mit einigen schönen Riffs und recht eingängigen Melodien auf sich aufmerksam. Auch der rockige Opener "Get Stoned" und das fetzige "Room 21" ist nicht von schlechten Eltern. Selbstverständlich darf auf so einem Album die obligatorische "Powerballade" nicht fehlen: "Lips Of An Angel" heisst der Song und kommt so soft daher, dass er förmlich nach Kuschelrock-Veröffentlichung schreit.

Queens Of The Stone Age: Era Vulgaris (Universal)

Es ist fast unfair, direkt vor "Era Vulgaris" noch einmal durch "Songs For The Deaf" (2002) zu hören. Zusammen mit "Rated R" (2000) war die Truppe um Josh Homme damals auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität und wurde zu Recht als Retter des Rock gefeiert. Ob es dazu 2007 noch reicht kann man anzweifeln ohne der Gotteslästerung bezichtig zu werden. Denn bei aller Gewalt sind die ersten drei Songs von "Era Vulgaris" nur ein weiterer Beweis, dass QOTSA rocken können wie nix, aber pure Pflichterfüllung ist eigentlich ein bisschen wenig. Muss sich auch Josh Homme gedacht haben und lässt mit dem vierten Song ("Into The Hollow") Luft ins staubige Zimmer. Danach geht es dann Schlag auf Schlag und das Album gewinnt durch zahlreiche Facetten jene schlitzohrige Qualität, die auch die alten Alben von QOSTA ausmacht.Da im Moment niemand in Sicht ist, der die Band vom Thron stoßen will, können Queens Of The Stone Age bis auf weiteres die Krone aufbehalten.

Monday, June 18, 2007

Bruce Springsteen: Live In Dublin (Sony)

17 Mann hoch ist die Sessions Band, mit der Bruce Springsteen sein "Seeger Sessions"-Projekt im vergangenen Jahr auf die Bühnen dieser Welt gebracht hat. Eine folk-rockende Big Band, die nicht nur die Songs von "We Shall Overcome", sondern auch alte Springsteen-Tracks in radikal umarrangierten Gewändern interpretierte und darüber hinaus die eine oder andere Überraschung ins Programm einstreute. Überhaupt zeigt die Zusammenstellung des Sets einen ganz neuen Bruce Springsteen, der nicht mit US-Flagge, Jeanshemd, Lederweste, Biker Boots und E-Gitarre Arbeiterklassen-Rock’n’Roll darbietet, sondern mit einem grossen Chor im Rücken und einer traditionellen Akustikinstrumentierung auf den Wurzeln des Folk-Rock wandelt und seine Sache so gut macht, als hätte er niemals zuvor etwas anderes getan. Für die vorliegende Live-Aufnahme wurden die drei Abschlusskonzerte der Europa-Tournee am 17., 18. und 19. November 2006 im Dubliner "The Point" ausgewählt – eine Konzertststätte, die für europäische Verhältnisse nicht besser hätte gewählt werden können. Denn wenn das irische Publikum bei Stücken wie "If I should fall behind" und "My Oklahoma home" aus voller Brust mitsingt, wachsen Irish Folk und amerikanische Baumwollpflückermusik ganz natürlich (wieder) zusammen. Als besonderes Zückerchen gibt’s zur Doppel-CD auch noch eine DVD!

Friday, June 15, 2007

Natasha Bedingfield: N.B. (Sony)

Es ist schon erstaunlich, dass die blonde Britin Natasha Bedingfield von ihrem Debütalbum "Unwritten" 2004 über zwei Millionen CDs verkaufen konnte. Diesen Erfolg schaffte sie mit einer Mischung aus Pop, R'n'B und HipHop. Die musikalischen Briten trauen sich anscheinend an jede Art von Musik heran und machen ihre eigene Version davon. Die in Amerika produzierten 14 Tracks hatten also einen gewissen Erwartungs- und Erfolgsdruck auszuhalten. Die Platte besticht durch Abwechslung und meist überdurchschnittliche Songs, wobei sicher auch Tracks dabei sind, die schnell in der Erinnerung verblassen. Für den lauen Sommerabend und zur spürbaren Stimmungsaufhellung kann diese Portion fröhlicher Pop aber uneingeschränkt empfohlen werden.

Genesis: Turn It On Again - Tour Edition (EMI)

Rechtzeitig zur anstehenden Tour bringen Genesis eine neue Version ihrer Best Of "Turn It On Again" heraus. Die Tour-Edition enthält auf zwei CDs insgesamt 34 Tracks. Die Anzahl der Songs signalisiert schon, dass auf den beiden Silberlingen kein Platz für lange Kult-Stücke der Band wie "Cinema Show" oder gar "Supper`s Ready" ist. Vielmehr konzentriert sich diese Neuedition - wie schon die vor Jahren erschienene Erstausgabe - klarerweise auf die erfolgreichen Single-Hits der Gruppe. Immerhin gibt es aber mit "Happy The Man", "Inside And Out", "Paperlate" oder "Pigeons" auch ein paar "Raritäten". Dafür ist aber - skandalöserweise - "Carpet Crawlers" wiederum nur in der 1999er-Version vertreten...

Thursday, June 14, 2007

Tim Armstrong: A Poet's Life (Phonag)

Da wäre er nun, der erste Solo-Streich von Tim Armstrong. Der umtriebige Rancid-Frontmann hatte bis letztes Jahr mit den Transplants (mit Blink 182-Drummer Travis Barker) schon ein Side-Project am Start. Nach dessen Ende und trotz Arbeit am neuen Rancid-Album plagte den Chef von "Hellcat Records" offensichtlich die Langeweile, also veröffentlichte er mit "A Poets Life" ein Album, das vor allem eins ist: extrem relaxed… Im Gegensatz zu Rancid-Kollege Lars Fredericksen, der mit seinen "Bastards" ein reines Punkrock-Projekt aufgezogen hat, fährt Armstrong voll auf der Reggae-Schiene. Unterstützung hat er sich dazu von den Aggrolites aus Los Angeles geholt und herausgekommen sind zehn Songs, die sich an einem heissen Sommertag bei ein paar kühlen Getränken am besten machen.

Turbonegro: Retox (Phonag)

Turbonegro, die coolste Glam-Rock bzw. DeathPunk-Band unserer Zeit ist zurück. "Retox", der jüngste Streich der Norweger, steht für die Abkehr vom alten Label "Burning Heart" und den Einstand bei "Edel Records". Sie tun es seit der Reunion nach eigener Aussage ja eh nur für den Zaster und somit war der Labelwechsel ein logischer Schritt. Beklagte sich der ein oder andere Fan bereits bei "Party Animals" und "Scandinavian Leather" über den mangelnden Dreck im Sound ihrer Helden, setzt sich dieser Trend bei "Retox" weiter fort. Erneut bewegt sich die Band von den guten alten "Apocalypse Dudes"-Zeiten weg. Wie auf jedem anderen Album der Band haben die Jungs auch wieder ein paar Hits im Gepäck. Das glamige und hymnenhafte "Do You Do You Dig Destruction" sowie das punkige "Welcome To The Garbage Dump" stellen durchaus eine Bereicherung für das Live Set der Osloer dar und viel mehr wünscht sich der lokale Turbojugend-Anhänger doch gar nicht.

Wednesday, June 13, 2007

Archive: Live At The Zenith (Warner)

Zwischen TripHop und progressivem Rock, Elektronik und akustischem Songwriting haben Archive es geschafft, ein eigenes musikalisches Universum zu kreieren, das seinen eigenen Gesetzmässigkeiten gehorcht. Songs wie "Fuck You", "Again" und "System" lassen auf Anhieb eine herausragende emotionale Qualität erkennen, und die Aufnahmen ihres Unplugged-Albums gaben bereits eine Ahnung von der Live-Intensität der Combo, die von ihren Fans als französischste aller BritBands wahrgenommen wird. Schon deshalb war es eine gute Idee, die Aufnahmen für die Platte "Live at The Zenith" bei einem Konzert in Frankreich mitschneiden zu lassen. Das Konzert beginnt mit einer 15-minütigen Version von "Lights", das den Hörer unwiderstehlich in seinen atmosphärischen Bann zieht und auch auf dem Album einiges von der nahezu surrealen Live-Atmosphäre bei Archive mitteilt. Es folgen "Noise", "Veins", "Sane" und weitere Knüller, deren Sound rauer, lauter und auch fesselnder ist. Nicht zuletzt durch die Stimmen von Pollard Berrier, Maria G und Dave Penney, die als hervorragende Fremdenführer auf dem Trip durch das Unbekannte fungieren und durch große stimmliche Leistungen überzeugen.

Biffy Clyro: Puzzle (Warner)

Biffy Clyro wurden bisher in der breiten Öffentlichkeit in erster Linie als fleissige Arbeiter wahrgenommen, die im Jahresrhythmus drei mehr als ordentliche Alben veröffentlichten, die von den Kritikern jedoch sehr unterschiedlich aufgenommen wurden. Während viele andere Hype-Bands aber schon wieder verschwunden sind, stehen die drei Schotten immer noch voll im Saft und präsentieren mit ihrem vierten Album "Puzzle" ihre vorläufig beste Platte. Obwohl melodiöser als früher sind die 13 neuen Songs nicht zu eingängig geworden. Mit genug Drehungen und Wendungen haben Biffy Clyro ein Album fabriziert, das sich einer Zuordnung entzieht, aber der versammelten Konkurrenz zeigt, wo der Hammer hängt. Biffy Clyro sind stetig gewachsen und mit "Puzzle" endgültig bei den Grossen angekommen.

Monday, June 11, 2007

Strung Out: Blackhawks Over Los Angeles (Fat Wreck Chords)

Sieben Alben haben Strung Out aus dem Hause Fat Wreck Chords bereits veröffentlicht, doch die Band hat der Szene, die sie selbst mit aufgebaut haben, immer noch etwas neues zu bieten. Auch für ihr aktuelles Werk "Blackhawks Over Los Angeles" wurde wieder mit Produzent Matt Hyde zusammengearbeitet. Die Jungs schafften auf "Blackhawks Over Los Angeles" spielend die Verschmelzung von im Metal verwurzeltem Musikerhandwerk und melodiösen Strukturen. Seit ihrem letzten Release waren Strung Out ständig auf Achse, waren Headliner auf der "Vans Warped Tour 2005" und tourten durch Neuseeland, Australien und Südamerika. Strung Out war niemals eine Band, die dem Druck aktueller Trends erlag, sondern schmiedete stets einen eigenständigen Sound und mit Matt Hyde am Ruder avanciert "Blackhawks Over Los Angeles" zum wohl genialsten Album der Band, das um einiges besser ist als beispielsweise das entäuschende "An American Paradox" von 2002.

The Wilkinsons: Home (Universal)

In einer Welt, in der Musikgruppen gecastet und zusammengewürfelt werden, ist eine Band, bei der die Chemie wirklich stimmt und die real ist, eine wunderbare Abwechslung - wie The Wilkinsons. In ihrer kanadischen Heimat gelten The Wilkinson längst als Superstars. Auf dem Fernsehsender CCMT haben sie ihre eigene Fernsehshow, die gerade um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Bei den Canadian Country Music Awards und den Junos (der kanadische Grammy) sind sie gerngesehene Gäste. Im letzten Jahr wurde Sängerin Amanda Wilkinson mit dem Juno Award ausgezeichnet und die ist nur die letzte in einer langen Reihe verschiedenster Auszeichnungen. Mit "Home" legen The Wilkinsons nun ihr fünftes Studio Album vor. Die erste Single-Auskopplung, "Fast Car" (geschrieben von Tracy Chapman) hat bei mehreren europäischen Radiosendern bereits den Weg auf die Rotation gefunden und auch das dazugehörige Video kann die ersten Einsätze verzeichnen.

Sunday, June 10, 2007

Paul McCartney: Memory Almost Full (Universal)

Paul McCartney gibt es auch noch als Musiker. Das ist in den letzten Monaten im Streit mit Noch-Ehefrau Heather Mills gern mal untergegangen. Der Ex-Beatle war nebenbei mit den Arbeiten an seinem neuen Album "Memory Almost Full" beschäftigt. Und da war der Titel wohl Programm, denn McCartney hat seinen Zenith leider schon lange überschritten. Das, was Sir Paul da auf seinem neuen Album zusammengeschustert hat, stellt nur einen Schatten seiner eigenen musikalischen Laufbahn dar. "Memory Almost Full" ist eine ziemlich langweilige die Platte. Eigentlich klingt ja alles ganz nett, aber man hätte dem Ex-Beatle doch schon mehr zutrauen können. Einziger Lichtblick ist der Titel "Only Mama Knows", bei dem McCartney mal halbwegs an alte Zeiten anknüpfen kann, wenn er zuerst mit einer extrem melancholischen Melodie hausieren geht, um später ordentlich abzurocken. Das ist allerdings für ein komplettes Album viel zu wenig und kann den schlechten Eindruck nicht bessern. Sicherlich werden alle McCartney-Fans diese Platte lieben, weil sie eben Fans sind. Trotzdem muss auch Sir Paul ein bisschen mit der Zeit gehen, ansonsten ist es nicht lustig, sondern einfach nur langweilig. Und das hat der Ex-Beatle eigentlich nicht nötig...

Wednesday, June 6, 2007

Timbaland - Shock Value

Timbaland - der Mann mit der soften Stimme - hat ein chices R'n'B und Pop-HipHop Album gemacht. Nett arangiert, sorgfälltig produziert und vor allem mit einem fetten Schwergewicht auf groovende Bässe wurde die Scheibe für die Ohren der Musikfans zugeschnitten. Soweit so gut; augenfällig dabei ist jedoch folgendes: kein einziger Song ist ohne den Vermerk "featuring" zu finden. Timbaland ist definitiv ein musikalischer Trittbrettfahrer, aber ein gewievter. Denn in den USA gilt folgendes: Ein Mann muss ein Haus bauen, einen Sohn zeugen, einen Apfelbaum pflanzen und sich von Timbaland mindestens einen Song (besser noch ein ganzes Album) produzieren lassen. Für Frauen gilt dasselbe. Kein Wunder also, ist jeder und jede, der sich nicht heftig genug gewehrt hat und bei drei auf den selbstgepflanzten Apfelbaum geklettert ist auf dem Album vertreten: Nelly Furtado, Justin Timberlake, Missy Elliott, Jay- Z, Brandy, Lil` Kim, The Pussycat Dolls (...). Selbst Björk hat sich anstecken lassen. Timbaland hat sie alle gekriegt un ein paar leckere Songs auf sein Album "Shock Value" geschmissen. Das Album ist kein Burner, aber sehr angenehm für Chillout-Nachmittage. Lässig, locker-flockig und natürlich extrem cool kommt jeder Song daher. Böse Zungen sagen über die Songs des Albums "Kennste eine, kennste alle.", ich jedoch sage, relaxt dein Ohr bei einem, relaxt es bei allen.
Sehr empfehlenswert für alle Daddy Cools der Stadt!

Tuesday, June 5, 2007

Chris Cornell: Carry On (Universal)

Das Songwriting von Chris Cornell ist auf seinem zweiten Solo-Album "Carry On2 seiner grossartigen Stimme nicht mehr gewachsen. Anders formuliert könnte dies auch heissen, dass die Stimme dem Songwriting entwachsen ist, doch dagegen Spräche, dass Cornell schon zu Soundgardens Zeiten eine der besten Stimmen im Zirkus besass, nur dass damals und auch auf der ersten Solo-Platte "Euphoria Morning" noch das Songwriting durchwegs hochwertig war. Auf "Carry On" gibt es nun aber seifige Balladenpower ("Safe and Sound") oder "She`ll never be your man" wird als biederes Stück Altherrenrock inszeniert. Chris Cornell ergeht es ähnlich wie vielen der altgedienten Rockstars. Mit den Kindern kommt die Routine, kommt die Langeweile ins Haus. Nur in einzelnen Momenten blitzt auf der neuen Scheibe das Genie vergangener Tage hervor. Im Endeffekt ist dies allerdings zu wenig und man fragt sich angesichts des gelungenen "Billie Jean"-Covers ob Cornell heutzutage bei einer Coverband nicht besser aufgehoben wäre oder zumindest bei seinen alten Bandkollegen von Soundgarden, denn dort war er ohnehin am besten.

Larrikin Love: The Freedom Spark (Warner Music)

Larrikin Love war ein Quartett aus London, das fünf Singles/EPs sowie das Album „The Freedom Spark“ auf den Markt gebracht hat. Wer sich nun in Anbetracht dieser aktuellen CD-Besprechung verwundert fragt, weshalb die Vergangenheitsform Anwendung findet, muss mit der Nachricht konfrontiert werden, dass die Herren knapp drei Wochen vor der Europa-Veröffentlichung ihres Debütalbums ihre Trennung bekannt gegeben haben. Damit dürfen wir uns endgültig abschminken, dass Larrikin Loves fröhlicher Mix aus Pop, Rock, Ska, Irish Folk, Punk und Reggae jemals auf Schweizer Bühnen dargeboten wird, ganz abgesehen davon, wie viel Sinn die Besprechung eines Albums einer nicht mehr existierenden Band macht. Dabei waren die Chancen des Quartetts gar nicht mal so schlecht, mit einem Sound zwischen Blur, The Libertines, The Clash und The Pogues kommerziell zu punkten. Titel wie „Edwould“, „Downing street kindling“ und „Well, love does furnish a Life“ versprühen jedenfalls eine ansteckende Pogo-Stimmung, die von Klängen einer Ukulele, Mandoline, Fiddle und Trompete, die neben der üblichen Gitarre/Bass/Schlagzeug-Grundlage agieren, befeuert wird. Das ist als Debütwerk eine äußerst solide Leistung, der ein Nachfolger leider verwehrt bleiben wird.

Monday, June 4, 2007

Kate Ryan: Alive (Musikvertrieb)

Seit ihrer ersten Single „Desenchanteé“ konnte sich Kate Ryan von Portugal bis nach Russland in nahezu allen Hitlisten Europas in den Top Ten platzieren. Ihre Hits „Libertine“ oder „Only If I“ führten sie zu umjubelten Live-Shows von der türkischen Mittelmeerküste bis zurück zum glanzvollen Heimspiel im „Sportspaleis“ von Antwerpen. Ein belgischer Radiosender wiederum fand heraus, dass Kate Ryan in ihrer belgischen Heimat während des letzten Eurovisions-Festivals in Athen 2006 der meist gesuchteste Name in der flämischen Google-Version war. Der Eurovisons-Song vom Oktober 2006 „Je t´Adore’ bildet den Einstieg in Kate Ryans drittes Studioalbum, das nicht ohne Grund der prägnanten Titel „Alive“ trägt. Als „extremly turbulent“ beschreibt Kate in den Linernotes des Album-Booklets ihre jüngste Vergangenheit. Das ständige Touren, das Leben aus dem Koffer ohne jede Verschnaufpausen forderte während des Jahres 2005 unbarmherzig seinen Tribut. Nach intensiver Promotion für die ersten beiden Alben legte Kate Ryan für die Fertigstellung des lang ersehnten dritten Albums ein kreatives Jahr ein, in dem sie sich ausschliesslich dem Songwriting widmete - sie komponierte an der Gitarre, dem Klavier, und ging mit einem neuen Produzententeam ins Studio um den selbst geschriebenen Songs den richtigen, letzten Schliff zu verpassen. Die Teilnahme für ihre belgische Heimat beim Athener Euro-Contest mit „Je t´Adore“ war da nur der Auftakt für ein überzeugendes Comeback. Schon jetzt wird „Alive“ in den zahlreichen Kate-Ryan-Fanblogs als „ihr bestes Album ever“ gehandelt. Besonders die bewegende Ballade „That Kiss I Miss“, die sie ihrer früh verstorbenen Mutter gewidmet hat, bewegt die Herzen ihrer internationalen Fangemeinde. Aber auch die schwungvollen Uptempo-Songs wie „All for You“ und „How Many Times“ sind sichere Kandidaten für die internationalen Charts.

Marilyn Manson: Eat Me, Drink Me (Universal)

Nach seiner Trennung von Dita von Teese ist es kein Wunder, dass die Texte von Marilyn Mansons neuester Platte schwer depressiv geraten sind. Doch wer jetzt ein derbes Industrial-Gewitter als Verarbeitung von Mansons Seelenpein erwartet, wird mit dem Ergebnis „Eat Me, Drink Me“ ziemlich überrascht werden. Zwar ist die Produktion weit entfernt vom treibenden Glam-Metal eines „Mechanical Animals“ (1998) und der skurrilen Story von „Golden Age Of Grotesque” (2003) – markerschütternde Gitarrengewitter bilden dennoch die Ausnahme auf einem Album, das düster, aber gemässigter (die meisten Stücke sind im Midtempo-Bereich angesiedelt) und elektronischer als seine Vorgänger klingt. Dabei haben Mr. Warner und Co-Songwriter/Gitarrist Tim Skold (Ex-KMFDM) weder die eingängigen (Pop-)Melodien vergessen, mit denen sich durchaus die Charts knacken lassen („Putting hope in happiness“, „They said that hell’s not hot“, „Heart-shaped glasses“), noch haben sie klassische Manson-Groover („Are you the rabbit?“, „Mutilation is the most sincere form of flattery“) und epische Horrorgeschichten („If I was your vampire“) ausgespart. Kurz gesagt: „Eat Me, Drink Me“ reiht sich reibungslos in die Galerie der düster-genialen Verrücktheiten eines Brian Warner ein.