Monday, April 28, 2008

Thrice: Alchemy Index 3 & 4 - Earth & Air (MV)

Mit dieser Entwicklung hat wohl keiner gerechnet. Gehörten Thrice nach ihren ersten drei Alben noch zur Speerspitze der amerikanischen Screamo-Szene, verpassten sie ihren Jüngern 2005 den ersten evolutionären Arschtritt. Klar, schreien konnten sie auf ihrem vierten Album "Vheissu" immer noch, doch ihre Wut verpackten sie zusätzlich in progressive Klanggewitter, schleuderten experimentelle Songstrukturen mit Wucht durch die Boxenmembran und liessen den Titel des Albums gleich zu Beginn als hektischen Morsecode ertönen. Jetzt erheben sich Thrice in luftige Gefilde. Zu einem geschmeidigen Gitarrenlauf und der klaren Stimme von Dustin Kensrue gleitet "Broken Lungs" langsam über leises Chorgesäusel und ein kraftvolles Drumspiel. Doch plötzlich wird die Luft da oben zu dünn, und Kensrue bleiben nichts weiter als gitarrenerstickte Schreie. Die Sonne versinkt am blutgetränkten Horizont und das melancholische "The Sky Is Falling" betrachtet auf einem nächtlichen Rundflug die glitzernden Metropolen unserer Zeit.

Monday, April 7, 2008

Kaizers Orchestra: Maskineri (MV)

Kaizers Orchestra, deren Vorgänger zu den bestverkauftesten Rockalben in norwegischer Sprache zählen, brillieren auf ihrem vierten Werk "Maskineri" mit ihrer einzigartigen Mischung aus Rock, Folk und osteuropäischen Ethno-Sounds. Ihr mehrfach ausgezeichneter Sound wurde diesmal von Mark Howard (Tom Waits, U2, Bob Dylan) produziert und klingt zugänglicher und erwachsener als je zuvor. Aufgenommen wurde "Maskineri" in den Ostberliner Planet Roc Studios, in denen bereits Sting, die Black Eyed Peas und Joe Jackson aufnahmen. Mit dem neuen Album im Gepäck brechen die sechs Norweger auch gleich auf, um zusammen mit ihren Fans auf ihren energiegeladenen und extrovertierten Auftritten quer durch Europa zu feiern. Am 8. April spielt die Combo in der Roten Fabrik am Zürichsee.

Thursday, March 13, 2008

Morcheeba: Dive Deep (MV)

Downtempo: Keine andere Formation hat diesen Begriff so eindeutig definier t – und sich dabei doch immer wieder musikalischen Kategorisierungen entzogen. Erfolgreich sind Morcheeba obendrein, eine Gruppe, die kaum den traditionellen Erwartungen an diese Bezeichnung entsprechen konnte und wollte. Auf ihren bisher fünf Alben kreierten Morcheeba ohne jede Berührungsangst eine zeitgemässe, auf Songs gebaute Form der Dance Music, die bald als Trip-Hop oder Chill Out Furore machte. Und das alles als eklektisches, aufgeschlossenes Kollektiv, das immer wieder die Fühler nach den unterschiedlichsten Sängern und Musikern ausstreckte. „Dive Deep“ führt diese Idee nun so konsequent vor wie keins zuvor. Die Texte, die Beats und die Produktion des neuen Albums klingen so, als sei „Nick Drake von RZA aus dem Wu-Tang Clan produziert worden“, nicht die schlechteste Analogie für die Beat-Landschaft, die den Folk/Blues-Songs zugrunde liegt. „Wir lieben alte Musik und traditionelle Formen des Songschreibens, aber wir leben nicht in der Vergangenheit“, erklärt Ross das Credo von Morcheeba. „Wir schätzen die moderne Formen des Musikmachens sehr.

Sunday, January 27, 2008

Tiger HiFi - neu auf CD

Wow! Tiger HiFi ist eine ohrenstarke Band aus Deutschland die einen neuen Musicstyle generiert hat. Das kleine Team setzt auf eine Mischung aus Dancehall-Dub und Reggae und spielt äusserst gemütlichen Chillout Sound mit fetten Bässen. Tiger HiFi hat sich ein wenig auf Coversongs spezialisiert, doch genau das macht die Combo interessant. Das stärkste Stück der neuen und ersten CD der Tigerband heisst "Music" und ist von Madonna geklaut. Doch die Dub-Dancehall-Version des Stücks platzt ins Wohnzimmer wie eine Bombe. Unbedingt anhören auf www.myspace.com/tigerhifi oder gleich CD kaufen. So lecker wie vom Bäcker.

Monday, November 12, 2007

Ween: La Cucaracha (MV)

Dean und Gene Ween sind musikalisch in keine Schublade zu stecken. Für die beiden Lockenköpfe muss schon eine ganze Kommode, ach was, eine komplette Schrankwand her. Ein typisches Ween-Album enthält mehr Musikstile als Songs, das gilt selbstverständlich auch für "La Cucaracha". "La Cucaracha" beginnt mit flotten mexikanischen Bläsern, dem gelösten Instrumental "Fiesta", welches nach eineinhalb Minuten durch Störgeräusche klar macht, dass wir es hier mit Ween und keiner Mariachi-Band zu tun haben. Im weiteren Verlauf gibt es eine zurückgelehnt-bequeme Popnummer ("Blue Balloon"), fast schon jodelnden Country, der so aufdringlich ist, dass es schon wieder angenehm ist ("Learnin’ To Love") oder stereotypen Offbeat ("The Fruit Man"). Alle Genres der Platte aufzulisten, würde hier den Rahmen sprengen. Ween zwinkern wieder einmal mit den Augen, ergeben sich aber definitiv nicht dem Klamauk, denn was sie anfangen, bringen sie auch mit Würde zu Ende. Sie selbst sehen die Platte als Party-Album.

Thrice: The Alchemy Index Vol. I & II (MV)

Thrice sind gereift und reifen weiter. Nachdem sich die Musiker mit ihrem Vorgänger-Album "Vheissu" schon neu positionierten, gehen sie diesen Weg fort, weiten ihn weiter aus und verstehen es 2007 noch besser, progressive Elemente mit Post-Hardcore und sphärischen Momenten zu verbinden. "The Alchemy Index Vol. I & II" sind die ersten beiden EPs aus einem vierteiligen Konzeptalbum zu den vier Elementen. Jede EP besteht dabei jeweils aus sechs Songs, die es in sich haben. Zum ersten Mal lotet die Band von zerstörerisch wütend bis hin zu nachdenklich und tieftraurig alle eigene Facetten aus und hat damit ein grossartiges, vielschichtiges, lebendiges Album produziert, das progressiv, sphärisch aber auch wuchtig und rockend zu begeistern versteht. Damit ist das Album sicherlich nichts für die breite Masse, sondern eher für Freunde abwechslungsreicher, ehrlicher Musik von Musikern, die den Mut haben sich musikalisch zu öffnen und die eigenen Grenzen zu überschreiten.

Thursday, October 18, 2007

Manu Chao - Radiolina

Der Chefrocker von Radiobemba und King of the Bongo ist zurück. Radiolina, das ist Manu Chao in Höchstform. Die Songs sind schneller und politischer geworden. Nix mehr mit Tequila, Sex und Marihuana, jetzt heisst es "Bagdad is an US-Country" und "in Falludscha, there is no Democracy".

Naja, auch wenn der gute Manu recht hat und George W. Bush ein, sagen wir mal ein nicht allzu beliebter Mann ist, wollen wir doch lieber unbeschwerte Strand Songs hören.
Vielleicht ist es aber auch gar nicht schlecht, wenn mal ein vertrauter Freund wie Manu Chao (wer hatte seine CD Clandestino nicht im Regal?) ein politisches Wörtchen mitzureden hat. Kritiker werfen dem Album vor, dass es keine eigenen Akzente setzt und fast eine eins zu eins Kopie von "Clandestino" sei. Das mag stimmen, jedoch kann man das auch anders interpretieren: Wer "Clandestino" und den typischen Manu Chao Style liebte, der wird Radiolina erst recht lieben. Das Album schliesst fast nahtlos an. Als wäre zwischen den zwei Alben nur ein Monat Sendezeit vergangen. Und wem die politischen Botschaften von Manu Chao nicht passen, dem sei hier gleich noch was Politisches gesagt: Manu Chao for President!!!!!!

Thursday, October 11, 2007

Nightwish: Dark Passion Play (MV)

Die Spannung, die immensen Erwartungen, die auf Tuomas und Nightwish in den letzten zwei Jahren gelastet haben dürfte, wird nun mit einem Mal weitgehend von ihnen abgefallen sein. "Dark Passion Play" ist veröffentlicht, die Welt da draussen weiss um die neue Sängerin, und die Zukunft scheint für die Band rosiger denn je auszusehen. Keine Frage, es wird auch einige enttäuschte Gesichter geben, aber wenn man sich nicht total auf Tarja als Sängerin von Nightwish fixiert hat und ein wenig offen an die neue Scheibe heran geht, wird man mit fantastischer Musik belohnt. Der Kurs von Tuomas, weiterhin keine Kompromisse einzugehen und jedem Song genau das zu geben, was er benötigt, hat sich einmal mehr ausgezahlt und "Dark Passion Play" zum absoluten Spitzenalbum gemacht, an dem sich alle anderen Bands messen müssen, die in ähnlichen, musikalischen Gewässern fischen wie die Finnen.

Friday, September 7, 2007

Phenom Melody (Phenomden) - Style Generator

Phenomden ist zurück. Der Reggae-Sänger schaffte den Durchbruch mti seinem Hit "Cha nüt däfür" auf dem Bonx-it-Riddim und ist seither die Vorzeigedame der schweizerischen Dancehallszene. Nach seinem ersten Album "Fang ah" hat er nun zum Zweiten Schlag ausgeholt und unter dem Namen "Phenom Melody" das Album "Style-Generator" rausgebracht. Um es gleich vorwegzunehmen, das neue Album kann mit dem Erstling nicht verglichen werden, da es eigentlich ein Spass-Projekt ist und nicht dem Dancehall sondern dem Reggae der 80er Jahre huldigt. Billiges Casiokeyboard, närrisches Computerschlagzeug und banale Texte sind das Motto der Scheibe. Beim ersten Durchhören fällt wieder mal das breite Züri-R des Sängers auf und der holprige Dialekt, der zum Reimen eigentlich ungeeignet ist. Trotzdem, auf dem Album sind ein paar stylische Lieder drauf wie "Spam", "Mach dis Ding" und der Knüller "Millenium". Die anderen Songs sind leider teilweise grottenschlecht, "Badi, Badi" kann man schon nach 2 Minuten nicht mehr hören und der mit verstellter Stimme gesungene "Tinitus"-Song ist wahrscheinlich eines der närrischsten Lieder die je auf Schweizerdeutsch gesungen wurden. Stereo Fuchs, der auch einige Tracks dem Album beigesteuert hat, geht auf den Riddims nicht schlecht ab, ein Startenor ist er jedoch auch nicht. Fazit: Das Album hat zwei-drei echt geile Songs drauf, jedoch auch einigen Müll. Wer die 80er nie leiden konnte, wird wahrscheinlich auch durch den Style-Generator nicht unbedingt zum Fan dieser Periode werden. Im Frühling erscheint übrigens das nächste ECHTE Phenomden Album, na dann sind wir mal gespannt.

Tuesday, September 4, 2007

Annakin: Falling Into Place (Phonag)

Hinter Annakin (irgendwie erinnert der Name an Star Wars...) versteckt sich Ann-Kathrin Lüthi. Die Zürcherin war bis vor ein paar Jahren noch Sängerin der TripHop-Band Swandive. Nach dem Split war die zierliche Frau mit der Feenstimme noch als Gastsängerin mit Mich Gerber auf Tour, dann hat man nichts mehr von ihr gehört. Im Gepäck hat sie nun ein Album mit atmosphärisch dichten, ziemlich melancholisch angehauchten Popsongs, denen man früher durchaus das Etikett TripHop hätte aufdrücken können. Das Resultat klingt sehr entspannend und lädt zum träumen ein.

Thursday, August 30, 2007

As I Lay Dying: An Ocean Between Us (MV)

Das "An Ocean Between Us" etwas ganz besonderes werden würde, war von Anfang an klar. Schliesslich holten sich die Jungs aus den Staaten Adam D. als Produzent ins Boot. Jener machte sich einen Namen als Killswitch Engage-Gitarrist und produzierte unter anderem Bands wie Unearth und Parkway Drive. An den finalen Mix liessen sie Colin Richardson der seit Jahren mit Machine Head zusammen arbeitet. Das macht sich natürlich bezahlt. Wenn dann auch noch im September eine Tour durch Europa ins Haus steht, verzückt das die Fans umso mehr. Das dann schon Songs vom neuen Album gespielt werden ist ein weiterer grosser Bonus. Vor allem da "An Ocean Between Us" ein starkes Album geworden ist, dem es an nichts mangelt. Die Platte ist härter und abwechslungsreicher als sämtliche Vorgänger. Bei dieser songwriterischer Genialität werden sich viele Genrekollegen warm anziehen müssen.

Tuesday, August 28, 2007

Atreyu: Lead Sails Paper Anchor (MV)

Zugegeben, es hat schon gereizt als Genre schlicht und ergreifend Kommerz anzugeben, denn nichts anderes ist die neue Atreyu geworden. Marktorientierte Musik, die auf den ersten Hördurchgang mit Wegwerfmelodien und Songs vom Reissbrett so gut wie keine Daseinsberechtigung bezieht. Nach längerer Auseinandersetzung haftet dem einen oder anderen Track zwar der bittere Nachgeschmack eines billigen My Chemical Romance-Verschnittes auf Metal an, doch hat man erst einmal die popigen Strukturen anerkannt und lässt sich auf die makellose Produktion ohne vermeintliche Ecken und Kanten ein, dann erschliesst sich erst die Vielfalt, die wirklich hinter "Lead Sails Paper Anchor" steckt. Alles in allem ist es eine Scheibe, bei der einem entweder das Grausen kommt oder die CD monatelang im Player rotiert. Wie dem auch sei, die Jungs haben das Ganze mit einem Elan und Eifer angepackt, dass sich sicherlich mehrere an der melodiösen Flut an kommerziellen Tracks erfreuen werden. Egal ob man bereits eine Scheibe von Atreyu im Schrank stehen hat oder nicht.

Friday, July 27, 2007

Sum 41: Underclass Hero (Universal)

Die Vorzeichen für die neue Platte der Jungs waren nicht gerade gut. Drei Jahre, nachdem Sum 41-Gründungsmitglied Dave Brownsound die Band verlassen hatte und man sich auch noch vom Management trennte, kehrte Frontmann Deryck Whibley ins Studio zurück: "Wir standen allein da. Wir hatten die Quote gegen uns. Die Leute sagten, dass wir uns von all dem nicht erholen könnten. Es gab viele Zweifel."Die Veränderungen in seinem Leben waren für den Sänger, Songwriter und Gitarristen aber auch die grösste Quelle beim Schreiben neuer Songs: Die Abwesenheit des Vaters ("Dear Father "), Daves Ausstieg ("So Long Goodbye") oder den Frust über die Politik von US-Präsident Bush ("Confusion and Frustration in Modern Times"). Was den Style betrifft, entwickelten Sum 41 ihren explosiven Punkrock- und Heavy Metal-Mix weiter nach vorne.

Thursday, July 26, 2007

The Enemy: We'll Live And Die In These Towns (Warner)

Sie sind gerade mal 17 Jahre alt und rocken sich die Langeweile vom Leib. Immerhin rotzen sich Andy Hopkins, Liam Watts und Tom Clarke ihren Frust äusserst musikalisch von der Seele und zudem sehr erfolgreich, denn die Single "Away From Here" schnellte auf Platz 8 der UK-Charts. Das waschechte Punkfeeling von The Enemy entstand in der Ödnis der ehemaligen Industriestadt Coventry, die für den Zeitvertreib nur noch bierselige Freizeitzentren ödester Machart bietet. "Da bleibt einem nicht mehr viel, nur noch saufen oder eine Band gründen", so Sänger, Gitarrist und Frontmann Andy Hopkins. Nach nicht mal acht Monaten hatten die drei Jungs ein ganzes Album zusammen, mit dem treffenden Titel "We'll Live And Die In These Towns".

Soundtrack: Transformers (Warner)

Wie es sich für einen ordentlichen Action-Film gehört, wartet der "Transformers"-Soundtrack mit einigen Rock & Metal-Bands auf. Die Single "What I've Done" von Linkin Park, welche an die Spitze der europäischen Charts geklettert ist, wird auch in dem Sommerblockbuster "Transformers", der im August mit der nicht zu verachtenden Megan Fox in der weiblichen Hauptrolle in die Schweizer Kinos kommt, zu hören sein. In den USA hat der Film bereits am Starttag 87 Millionen Dollars eingespielt. Vertreten sind auf der Filmmusik neben Linkin Park auch HIM (deren neues Album "Venus Doom" bald erscheint), die Smashing Pumpkins, Disturbed, The Used MuteMath.

Wednesday, July 25, 2007

Smashing Pumpkins: Zeitgeist (Warner)

Sieben Jahre sind seit dem letzen ordentlichen Album der Smashing Pumpkins vergangen. Beim Hören von "Zeitgeist" ist es aber, als sei die Zeit stehengeblieben. Hier "grunget" es wie in den 90ern, als Grunge-Fans alle noch in Holzfällerhemden rumliefen. Aus deutscher Sicht ist es wahrscheinlich beruhigend zu wissen, dass die Amerikaner mittlerweile auch andere deutsche Wörter als Blitzkrieg und Kindergarten kennen. Will Billy Corgan, Mastermind und Wiedervereiniger der Smashing Pumpkins, mit der neuen Platte richtungsweisende Impulse für die Musik andeuten? Vielleicht. Davon ist auf "Zeitgeist" aber nix zu hören. Die Smashing Pumpkins klingen wie in den besten Zeiten. Was aber auch heisst, dass die Energie von früher ungebrochen auf dem neuen Longplayer zu finden ist.

Yellowcard: Paper Walls (EMI)

Seit "Ocean Avenue" aus dem Jahr 2004 schwimmen die Kalifornier auf der Erfolgswelle des emotionalen Pop-Punk (formerly known as Emo-Punk), ohne ihre eigenen Ansprüche aus den Augen zu verlieren und besonders durch den Einsatz von Sean Mackin als Violinisten für Pluspunkte in der Kreativitäts-Sparte zu sorgen. Natürlich ist auch bei Yellowcard der mundgerecht geformte melodische Punk samt Balladen-Pflichtprogramm ein Trumpf, der besonders leicht auszuspielen und vielleicht auch genau so leicht zu vergessen ist. Doch neben Skater-Punk und Hello Kitty-Girlie wird auch der genre-hoppende Musikbegeisterte mehr als ein genussvolles Ohr an "Paper Walls" verlieren. Nach dem verspielt gewagten "Lights And Sounds" und einer übersättigten Stimmung in der Band, die sie Monate lang verschiedene Wege gingen liesss, begegnet uns das neue Album mit einer erneut mitreissenden Leichtigkeit, welche dringlicher als zuletzt von Produzent Neal Avron (New Found Glory, Everclear) veredelt wurde. Es macht Spass und bleibt dabei nicht ohne zuckersüsse Raffinessen, die glücklich gewählt aus "Paper Walls" ein starkes Album machen.

Friday, July 20, 2007

Nelly Furtado: Loose - Summer Edition (Universal)

Nach der regulären Edition und der limitierten Tour Edition war es natürlich nur eine Frage der Zeit bis natürlich auch die Summer Edition der neuen Platte von Nelly Furtado erscheint. Das Album hat sich bisher so gut verkauft, dass ihre Plattenfirma gleich noch einen drauf setzt. Immerhin gibts als Bonus-Zückerli 3 spanische Versionen von "All Good Things", "In God's Hand" und "Try". Wer also immer noch keine der 3 Varianten von "Loose" hat, sollte wahrscheinlich jetzt endlich mal zugreifen, denn an eine Christmas Edition wage ich bis jetzt mal noch nicht zu glauben.

Friday, July 13, 2007

Pearl Jam: Live At The Gorge (Warner)

Wenn es eine Band gibt, die alle Rekorde bezüglich Live-Alben hält, dann möchte ich wetten es ist Pearl Jam. 2000 machten sie insbesondere dadurch Schlagzeilen, dass sie ihre gesamte (!) Tour auf CD veröffentlichten. Damit ist nicht gemeint, dass sie etwa aus jedem Konzert der Tour ein Liedchen auf CD pressten. Nein, alle 72 Konzerte der Tour wurden damals veröffentlicht. Das alleine dürfte schon die Anzahl an Live-Alben jedes anderen Künstlers übertrumpfen, ist aber längst nicht das Ende des Superlativs. Jedes (!) Pearl Jam Konzert ist mittlerweile als Download über den TenClub zu beziehen, sofern man Mitglied ist. Jetzt behaupten böse Zungen natürlich gleich, dass das die Ultimative Vermarktungsmaschine sei und überhaupt sehr verwerflich. Nunja, mitnichten würde ich behaupten. Wer so blöd ist, sich 72 Live CDs einer Tour zu kaufen hat wohl gewaltig einen an der Waffel. Aber die Möglichkeit sich eben das Konzert nochmal anzuhören, auf dem man selber war - why not? Nun, genug der Vorrede. Pearl Jam haben es wieder getan, und ein Live-Package zusamengestellt, das sich sehen (besser gesagt hören) lassen kann. Dabei haben Pearl Jam sich dieses mal sehr zurückgehalten. In der Box enthalten sind diesmal "nur" 3 Konzerte. Geradezu asketisch wurde die Auswahl der Konzerte aber bei der Location behandelt. Alle Konzerte stammen aus The Gorge, Washington. Die Shows waren alle ausverkauft (wie eigentlich immer bei Pearl Jam in den USA) und fanden am 1 September 2005, am 22. und am 23. Juni 2006 statt. Jedes Konzert ist wie gewohnt in voller Länge vertreten. Das macht dann auch eine ganze Menge Holz: Allein das erste Konzert beinhaltet 37 Tracks auf 3 CDs. Da kann man nicht meckern. Insgesamt bietet die Box "Live at the Gorge" 100 Tracks auf 7 CDs. Was das besondere ist: Während Bands wie die Rolling Stones inzwischen auf jedem Konzert mehr oder weniger exakt die gleichen Lieder spielen, schaffen Pearl Jam es, sich für jedes Konzert eine neue Setlist zu überlegen. So gibt es auch insgesamt nur wenige Songs, die doppelt gespielt wurden.

Ash: Twilight Of The Innocents (Warner)

So klingen Ash also ohne die ausgestiegene Gitarristin Charlotte Hatherley. Viel verändert hat sich da nicht wirklich. Ash machen da weiter, wo sie mit "Free All Angels" aufgehört hatten. Dazwischen war "Meltdown", sowas wie ein Experiment, mit viel Gitarre aber ohne viele Melodien. Und Melodien waren noch immer das grösste Merkmal von Ash. Nun sind sie wieder da, zu dritt in alter Frische. Einen Hit wie "You Can't Have It All" wurde seit "Burn Baby Burn" nicht mehr hingeschmettert. Auch die ruhigeren Töne werden diesmal nicht ausgelassen ("Polaris", "End Of The World"). "Dark And Stormy" könnte sich als zweiter Hit der Platte entpuppen. Und der Schlusstrack, zwar etwas untypisch für Ash, ist jedoch durchaus als Highlight der bisherigen Bandgeschichte zu bezeichnen. Bei allem Popappeal hat die Band aber auch das Rocken nicht vergessen. "I Started A Fire" macht ordentlich Tempo und ist der ideale Start. Nicht der Start zum besten Ash-Album, aber immerhin zu einem der besseren.

Thursday, July 12, 2007

No Use For A Name: All The Best Songs (Fat Wreck Chords)

No Use For A Name aus Kalifornien gehören zu den Bands, die sich auf dem Indie-Label neben NOFX, Lagwagon und den Mad Caddies wohl am besten verkauften. Das Quartett um Sänger und Gitarrist Tony Sly besteht seit 1989 und ist berüchtigt für ihren eingängigen Melodic Punk und grossen Verschleiss an Gitarristen. Nachdem die Jungs bereits ein Live-Album veröffenlichten, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Best Of-Platte folgen würde. Auf dieser finden sich satte 26 Tracks, allerdings wurde der Hammer-Song "Don't Miss The Train" schändlicherweise ausgelassen. Trotzdem lohnt sich ein Kauf für Leute, die die meisten CDs der Band noch nicht im Regal stehen haben.

Wednesday, July 11, 2007

Bad Religion: New Maps Of Hell (Phonag)

Kaum eine andere Band musste sich wohl über die Jahre so oft den Vorwurf gefallen lassen, jedes Mal dasselbe Album aufzunehmen, wie Bad Religion - was der Popularität und Relevanz des kalifornischen Punkrock-Urgesteins allerdings nie wirklich geschadet hat. Zudem besitzt man nach über 25 Jahren Bandgeschichte eine derartige Reputation, dass auf schlechte Presse ohnehin kaum noch Rücksicht genommen werden muss. Bad Religion kopieren auf ihrem aktuellen Werk "New Maps Of Hell" allerdings nicht die Platten der jüngeren Vergangenheit, auf denen in bester Hymnen-Manier die Rückkehr von Mastermind Brett Gurewitz gefeiert wurde. Die Reise in die Zeit geht weiter zurück: Klang, Aggressionsgehalt und Produktion orientieren sich an frühen Meisterwerken wie "Suffer" und "No Control". Die Band will wieder die ehemaligen Garagen-Tage aufleben lassen und wagt in Zeiten, in denen die meisten unter Punkrock eher glattgebügelten Gitarren-Pop verstehen, mehr Rotz, mehr verzerrte Gitarren, mehr Härte, ohne dabei an Eingängigkeit einzubüßen. Das verdient Respekt.

Tuesday, July 10, 2007

Sonic Youth: Daydream Nation - Deluxe Edition (Universal)

Es gibt ganz wenige Bands im Indie-Sektor, deren Output mit dem von Sonic Youth vergleichbar ist. 20 Alben brachte die Gruppe um Kim Gordon und Thurston Moore in 26 Jahren heraus. Darunter Schwieriges, aber auch Schlüsselwerke wie "E.V.O.L." (1983) oder "Dirty" (1992). Nachdem mit "Goo" vor gut einem Jahr bereits eine "Deluxe Edition" erschien, gibt's jetzt dasselbe von "Daydream Nation". Ein weiterer zielsicherer Griff in die Relevanz, den "Teenage Riot", das wohl immer noch bekannteste Lied der Band, mit der nötigen Intensität einleitet. Der US-Branchendienst "Allmusic" beurteilte "Daydream Nation" damals mit der Höchstwertung - als einziges Sonic-Youth-Album überhaupt. Und in der Tat, das 1988 erschienene Werk umfasst sehr gut, um was es der Band um Thurston Moore und Kim Gordon damals ging, womöglich heute immer noch geht: Spannungsflächen schaffen, Verbindungen zwischen Dingen entwickeln, die so nur selten verbunden wurden. Auf "Daydream Nation" ist diese scheinbare Diskrepanz eine zwischen verschiedenen Formen. Da wird ein natürlich im Wave-Kontext stehender, aber eigentlich sehr klassisch aufgebauter Popsong wie "Silver Rocket" nach der Hälfte nicht aufgebrochen, nicht zerhackt, sondern wirklich überrollt und erschossen gleichzeitig. Das klingt wahnsinnig laut, aber auch wahnsinnig gut und ist ein Punkt, den die Band auch auf "Goo" und dem folgenden "Dirty" immer wieder anzitierte. Andere Stellen nehmen schon das Ambiente voraus, das später, Ende der 90er-Jahre, für Sonic Youth noch einmal wichtig werden sollte: "Providence" ist so ein Song, charakteristisch sind hier Spoken-Word-Fetzen aus dem scheinbaren Off, eine zarte Klaviermelodie und jede Menge atmosphärischer Störgeräusche. Die "Deluxe Edition" kommt (wohl nur für Fans wichtig) mit einem unveröffentlichten Demo von "Eric's Trip" und - das ist dann durchaus von einer gewissen Allgemeinrelevanz - mit einer Bonus-CD. Denn da gibt's noch einmal das komplette Album - in Live-Versionen, also nah an dem, mit dem Sonic Youth momentan durch Europa touren.

Monday, July 9, 2007

Velvet Revolver: Libertad (Sony)

Das erste Album der ultimativen Allstar-Combo, die sich 2002 in der Besetzung Scott Weiland (ehemals Stone Temple Pilots), Dave Kushner (Gitarre, Ex-Wasted Youth), Slash (Gitarre), Duff McKagan (Bass) und Matt Sorum (Schlagzeug, alle ehemals Guns N'Roses) zusammenfand, erschien im Sommer 2004 unter dem Titel "Contraband". Der Longplayer konnte sich sofort an der Spitze der US Billboard Charts platzieren. Mittlerweile verkaufte sich "Contraband" weltweit mehr als drei Millionen Mal und erreichte US-Doppelplatin-Status. Der Song "Slither" wurde zusätzlich mit einem Grammy in der Rubrik "Best Hard Rock Performance" ausgezeichnet. Über das neue Album "Libertad" sagt Velvet-Revolver-Frontmann und -Sänger Scott Weiland: "'Libertad' hat definitiv Soul", was wir musikalisch und textlich sagen wollen, ist diesmal wesentlich klarer. In ihrem Anfangsstadium waren die Songs möglicherweise sehr persönlich, doch unter der Obhut des fünfköpfigen Biests namens Velvet Revolver wuchsen sie zu stattlicher Größe heran und beinhalten nun Wahrheiten, die überall auf der Welt Gültigkeit haben."

Friday, July 6, 2007

Chemical Brothers: We Are The Night

Wenn die Chemie stimmt können Brüder zu ausserordentlichen Leistungen fähig sein. Bei den Chemical Brothers ist das wohl der Fall und so präsentieren Tom Rowlands und Ed Simons – Brüder im Geist – auf ihrem nunmehr sechsten Album echten Club-Sound der in die Füsse geht. Anders als bei ihrem vorherigen Album "Push The Button" setzen die Chemie-Elektroniker bei ihrem neuesten Album weniger auf dröhnende Beats, als vielmehr auf eingängige, manchmal aufreibende Geräuschkulissen aus dem Synthesizer und Gesangslinien im Loop. Alles diesmal eine Spur sanfter und hypnotischer. So wird die Zeile "Do It Again" im gleichnamigen Stück satte 47 Mal wiederholt. Wer dann noch nicht schläft, kann sich an den Gastbeiträgen von Willy Mason, Fatlip von The Parcyde oder den Klaxons erfreuen. Alles in allem ein Album mit wenig Neuigkeiten aber einem Hauch back to the roots, einer nostalgischen Rückbesinnung an den Kraftwerk-Sound mit Anleihen aus der Krautrock-Ära.

Thursday, July 5, 2007

Beastie Boys: The Mix-Up (EMI)

Sonderlich glücklich war man bei Capitol Records wohl nicht, als die Beastie Boys ein komplettes Instrumental-Album ankündigten. Doch instrumental sind die Beastie Boys nicht wirklich neu, man denke etwa an "The In Sound From Way Out" aus dem Jahr 1996. Auf "The Mix-Up" arbeitet sich die Band daran nun erstmals auf Albumlänge ab. Für den sample- und rapfreien Neuling sind MCA, Mike D. und Adrock vielleicht nicht die grössten Virtuosen an Bass, Drums und Gitarre - tatkräftig unterstützt von Money Mark an den Tasten und Alfredo Ortiz an den Percussions. Entscheidend bleibt aber doch die Eigenständigkeit und Stilsicherheit der Beastie Boys, die sich auf jedem Album im Allgemeinen und in den neuesten Jam-Sessions im Speziellen manifestiert. So klingt nur die Masche der Beasties. "The Mix-Up" darf sich getrost im Loop und mit Repeatfunktion drehen, denn lässt man sich auf den Funk des Trios ein, kennt diese Platte keinen schlechten Track. Da kann man sich ausnahmsweise mal den Worten der Plattenfirma anschliessen: Die Beasties haben ein Chillout-Album vorgelegt.

Wednesday, July 4, 2007

Devildriver: The Last Kind Words (Musikvertrieb)

Wo Devildriver auf dem ersten Album noch gut durchgeholzt haben, auf dem zweiten dann holzten und musikalische Bandbreite bewiesen, wird auf dem dritten Album das perfekte Songwriting hinzugefügt. Auf "The Last Kind Words" ist wirklich alles an der richtigen Stelle, Gitarrengeplänkel wechselt sich mit straighten Riffings ab, die Drums mal geradlinig und donnernd, mal verspielt der Musik die Richtung weisend, und Dez Fafaras (Ex-Coal Chamber) Gesang immer so drohend und mitreissend, dass dieses Album einen nicht loslässt. Keine einzige Sekunde lang. Die Songs sind so verschieden wie Geschwister des gleichen Geistes es sein können, aber gleichzeitig so aufeinander abgestimmt, dass einem die Spucke wegbleibt. Ein Gewitter ohne Gleichen für die Ohren, so verspielt und abwechslungsreich, dass sich das Album quasi im Spieler festbacken könnte, und man hätte nichts dagegen.

Tuesday, July 3, 2007

V.A.: Make Some Noise - Save Darfur (Warner)

Die Situation in Darfur, Sudan ist unerträglich. Über 2,5 Millionen Vertriebene und weitere 3 Millionen Menschen, die tagtäglich dem Hungertod ins Auge blicken müssen. Um diese Missstände anzuprangern und überhaupt erst auf die Zustände in Ostafrika aufmerksam zu machen, rief Amnesty International die Kampagne Make Some Noise ins Leben. Ein großes Publikum erreicht man sicher immer mit Musik und so wurde diese auch ein zentraler Fixpunkt des Projektes. Auf der Doppel-CD „Make Some Noise: The Amnesty International Campaign To Save Darfur“ hat man nun insgesamt 28 Songs gepackt. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Tracks, sondern ausschliesslich um Stücke von John Lennon. Label übergreifend haben sich über 50 Künstler (u.a. Green Day, U2, R.E.M., Snow Patrol, Ben Harper, The Cure, Avril Lavigne, Duran Duran etc.) beteiligt. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen übrigens zu 100 % an Amnesty International. Diese werden dazu verwendet, aktiv in Darfur zu helfen. Warum nur Songs von John Lennon verwendet wurden, erklärt Amnesty International damit, „dass es besonders die Songs von John Lennon sind, die Generationen von Aktivisten dazu bringen, sich für die Menschenrechte einzusetzen, und die zahllosen Künstlern und Bands ermöglichen, die Idee einer menschlichen Welt zu verbreiten. Die Make Some Noise-Kampagne vereinigt John Lennons Vision von einer friedlicheren Welt mit den Erfahrungswerten von Amnesty International, Gerechtigkeit durchzusetzen.. Make Some Noise erlaubt es ganz normalen Menschen, Hilfe dabei zu leisten, Leben zu retten – eine Aufgabe, von der wir denken, dass sie John mit Stolz erfüllen würde.“

Andrea Corr: Ten Feet High (Warner)

12 Jahre nach dem ersten Album der Corrs, also etwa 30 Millionen verkaufte Alben später, glaubt man zu wissen, was man von Leadsängerin Andrea Corr zu erwarten hat. Doch mit ihrem ersten Soloalbum zeigt die irische Schönheit mit der klaren Stimme, dass es nie zu spät ist, noch einmal umzudenken, dazu zu lernen und noch einmal hinzuhören. Mit "Ten Feet High" schlägt sie neue Wege ein, und auch wenn der Begriff der künstlerischen Neuerfindung im Allgemeinen etwas abgenutzt wirkt - hier passt er, denn Andrea Corr gibt sich ungewohnt: Ungewohnt eigenwillig, ungewohnt frisch, ungewohnt vielfältig, ungewohnt ungewohnt. Auf "Ten Feet High" hat die Sängerin ihre kreativen Türen aufgestossen und ihre Begabung fürs Geschichtenerzählen entdeckt. Und das tut sie mit einer wunderbar wandelbaren Stimme, die man so noch nicht von ihr gehört hat.

Ohrbooten: Babylon Bei Boot (Warner)

Diese Platte dürfte auch dem Kanzalah schmecken:-) Leider konnte ich mir die Jungs am Southside Festival nicht reinziehen, da ein Sturm ihre Bühne umgemäht hatte und der Auftritt deshalb abgesagt werden musste. Ihre Spielfreude hat sich auch auf dem Zweitling "Babylon bei Boot" nicht verflüchtigt. Der "Spieltrieb" (so der Titel des Debütalbums) wuchs weiter. Die bunte Stilmischung, der Gute-Laune-Grundton und die Texte im Berliner Dialekt animieren auch diesmal unbedingt zum Kopfnicken. Mit einem Reggae-Beat etwa wird "Babylon bei Boot" eröffnet: ein Ohrbooten-Song durch und durch, mit eingängiger Hook (die sich übrigens spontan während einer Livesession entwickelte) und treibendem Rhythmus. Es ist die perfekte Einstimmung auf das, was kommt, und gleichzeitig eine musikalische Einladung, sich mit ins Boot zu setzen: "Komm an Bord, wenn wir losrudern!" Im Sound ziemlich gegensätzlich geht es orientalisch angehaucht mit viel "Bewegung" weiter. Den typischen Skabeat knallen einem Ben, Onkel, Noodt und Matze in "Kaufrausch" um die Ohren. Und das war an wilder Musikmische natürlich längst nicht alles. Wie in "Spieltrieb" sollen aber nicht nur heile Welt und Partystimmung propagiert werden (auch wenn das live natürlich am besten zieht). Die Ohrbooten halten sich nicht mit kritischen Statements zurück, lehnen sich etwa im dancehalligen "Alle gegen alle" gegen die Ellenbogengesellschaft auf und fordern zwei Tracks weiter: "Bild dir deine Meinung".

Monday, July 2, 2007

The Twang: Love It When I Feel Like This (Universal)

Es ist bei britischen Musikmagazinen längst zur Tradition geworden, junge einheimische Bands mit Superlativen einzudecken. Das war bei Franz Ferdinand so, das war bei den Arctic Monkeys so, und die Kaiser Chiefs können ebenfalls ein Lied davon singen. Jüngster Wurf dieser Entwicklung sind The Twang aus Birmingham. Das NME kürte die fünf Indie-Rocker kürzlich zum besten Newcomer und setzte sie aufs Cover. Musikalisch ist das Gespann mit seinem Debütalbum "Love It When I Feel Like This" irgendwo bei den Happy Mondays anzusiedeln. Poppig-rockige Melodien werden mit viel Arroganz vorgetragen. Manchmal verspielt, manchmal nahe am Kitsch ("The Neighbour", "Cloudy Room") und immer mit einer gewissen Attitüde versehen, der eine lässige Schnodrigkeit und jener Schalk anhaftet, den der Fuchs auf dem Cover verbreitet. Vom britischen Durchschnitts-Indie grenzen sich The Twang in erster Linie durch den Gesang ab, der stellenweise in Richtung Rap zielt. Und Sänger Phil Etheridge legt akribischen Wert darauf, die Worte bis ins kleinste Detail zu betonen und auszuspucken. Hinzu kommen die vielseitigen Melodien, die trotz auffällig viel Bombast und Verfeinerungen nie überladen wirken.

The Bravery: The Sun And The Moon (Universal)

Was waren The Bravery doch für eine geile Band, die coolen New Wave der Neuzeit spielte. Das selbstbetitelte Debut-Album zählt immer noch zu meinen Favoriten der vergangenen fünf Musik-Jahre. Mit dem neuen Longplayer "The Sun and the Moon" machen sie nun den gleichen Fehler wie die Arctic Monkeys und andere. Der Mainstream und das dicke Geld locken. Da krempelt man mal eben seine Musik um. Eines vorweg: Schlecht klingt keines der Lieder. Dafür sind die mutigen Jungs zu clever. Doch der Funke von damals will einfach nicht rüberspringen. Weniger Dunkel, mehr Pop, weniger Synthies, mehr Balladen. Dancefloor-Kracher wie "An Honest Mistake" finden sich allerdings nicht mehr. Dennoch werden die meisten Songs gute Kasse machen können. So radiotauglich waren The Bravery noch nie. Die erste Single "Time Won't Let Me Go" schaffte es bereits auf Platz 1 der Alternative-Charts bei iTunes.

Friday, June 29, 2007

Sophie Ellis-Bextor: Trip The Light Fantastic (Universal)

Die mittlerweile 28-jährige Sophie Ellis-Bextor ist aus der Babypause zurück und veröffentlicht ihr neues Album "Trip The Light Fantastic". Der Eröffnungstrack "Catch You" vereint Gitarren, schwungvolle Keyboard-Klänge und eine Pop-Melodie, die sofort ins Ohr geht. "Me And My Imagination" erinnert an Sophies sonnige Tage auf Ibiza: Discopop trifft auf betörende Geigen und einen groovenden House-Beat. Danach folgt der nette melancholische Popsong "Today The Sun´s On Us". Der vierte Track "New York City Lights" weckt Erinnerungen an Disco-Pop a la Abba oder A-ha. Bei "If You Go" ertönen im Hintergrund Samba-Rhythmen, eine gleichermassen sonnig-fröhliche wie seichte Angelegenheit. In "Only One" verspricht Sophie "Tränen in Wein zu verwandeln" – eine vielversprechende Aussage, die von einem einen Saxophon-Solo unterstrichen wird. Zweifelsohne gehört dieser Song zu den besseren auf dem Album. Erwähnenswert noch "New Flame", ein New Wave-Stück mit dezenten Ska-Offbeats. Insgesamt geht es auf Sophie Ellis-Bextors neuem Album recht verspielt und heiter zu. Hauptthema bei den meisten Songs ist die Sonne und wie man sie am besten erreicht, bevor sie untergeht. Die Fans werden wohl auch dieses Mal auf ihre Kosten kommen. Die Pop-Diva setzt auf tanzbare, poppige Stücke, die recht schnell ins Ohr gehen

Thursday, June 28, 2007

Amy Winehouse: Back To Black (Universal)

Hatten auf ihrem Debüt "Frank" noch eher glatt gebügelte Jazz-Pop-Töne die Richtung vorgegeben, wendet sich Amy Winehouse auf Album Nummer Zwei den Soul- und Motown- Klängen der 60er-Jahre zu. "Back To Black" ist hier wirklich Programm. Die Songs drehen sich inhaltlich um das Leben der 23-jährigen Künstlerin, die in keinster Weise ein Kind von Traurigkeit ist. Von Magersucht wird gemunkelt, ihre Alkoholexzesse sind belegt und bildeten auch den Grundstein für den Albumopener und Superhit "Rehab". Sinngemäss singt sie hier: "Sie meinten, ich solle in eine Entzugsklinik gehen, aber ich sagte: Nein, nein, nein". An mehr als einer Stelle der Platte macht Winehouse klar, dass sie kein Engel ist und auch gar nicht vor hat, einer zu sein. Kaum verwunderlich auch, wenn die Sängerin ihrem Ex-Freund an anderer Stelle noch ein paar Nettigkeiten auf den Weg gibt:-) Auf der soeben erschienen Special Edition der Platte gibts auch noch 5 exklusive Live-Tracks als Goodie.

Tuesday, June 26, 2007

Ocean's 13


Hä? Das ist wohl der erste Gedanke wenn man den Soundtrack von Ocean's 13 anhört. Bei CD Numero Uno (Ocean's Eleven) setzten die Macher noch auf Stars wie Perry Como und Konsorten, bei CD zwei (Ocean's Twelve) immerhin noch auf David Holmes doch bei CD Nummer 3 sind den ozeanischen Leutchen schliesslich vollends die Stars ausgegangen. Kein Wunder beim neusten Film rund um Dany Ocean's Gaunerbande ist ein solche grosses Staraufgebot am Start (Hurra Al Pacino, Pfui Brad Pitt) dass wahrscheinlich für die Musik einfach kein Geld mehr vorhanden war. Das soll keine generelle Kritik am Soundtrack sein. Er unterstützt die verschiedenen Nuancen des Movies und eignet sich durchaus als Hintergrundmusik für Cocktailpartys oder für Fahrstuhlmusik ;-). Ocean's Thirteen ist eine durchaus schmackhafte CD für ruhige Stunden. Wer aber auf Lieder mit Gesang oder einer ordentlichen Action steht - in den Worten von Jacky Threehorn: Eine gute Story, und wahre Gefühle - der ist hier ein wenig fehl am Platz. Der Ocean's Thirteen ist ideal für Fans des Films, für Musikfans hingegen ist die CD nicht gerade ideal.

Thursday, June 21, 2007

Wilco: Sky Blue Sky (Warner)

Als Songschreiber konnte man sich auf Jeff Tweedy schon immer verlassen. Weniger absehbar war die Art und Weise der Umsetzung seiner großartigen Songs mit der ständig wechselnden Besetzung seiner Band Wilco. Auf dem 2002er-Album "Yankee Hotel Foxtrot" versuchte Tweedy sich erstmals an elektronischen Lautmalereien als integraler Bestandteil seiner Kompositionen. Auf "A Ghost Is Born" (2004) perfektionierte er diese Herangehensweise, was zu Irritationen und Brüchen führte, der Qualität dieser Alben aber keinen Abbruch getan hat. Nun sind Wilco mit neuer Besetzung und ihrem sechsten Studioalbum "Sky Blue Sky" zurück. Und, der wesentliche Punkt sei vorweggenommen, die elektronischen Elemente und Klang-Experimente sind komplett aus den Arrangements verschwunden. Das öffnet den Raum für das grossartige Spiel der Musiker, ihre Instrumente effektiv in Szene zu setzten. Klavier, Keyboard, Gitarren und Schlagzeug gehen harmonisch Hand in Hand und entwerfen einen coolen Sound, der an den Westcoast-Pop der 70er-Jahre angelehnt ist und Blues-, Rock- und Jazzessenzen aufgreift.

Wednesday, June 20, 2007

Afghan Whigs: Unbrekable - A Retrospective (Warner)

Eine den Rock stark beeinflussende Band blickt zurück - mit zwei neuen Songs. 2001 gaben The Afghan Whigs nach über 14 Jahren und sechs Studioalben ihre Auflösung bekannt. Sie waren eine der einflussreichsten Bands auf dem alternativen Rocksektor der frühen 90er, Kritiker-Lieblinge und Anti-Stars. Nun gibt es ein Album der Retrospektive. Im Zentrum der The Afghan Whigs stand immer Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter Greg Dulli. Seine verschlüsselten Texte und einzigartige Stimme gaben dem Moll und der Tiefe der Musik den richtigen Unterton: düster, kraftvoll und eigen. Dullis neue Band The Twilight Singers, ist nicht mehr wirklich neu. Schon zu Lebzeiten der The Afghan Whigs begann er unter jenem Namen nebenbei Musik zu machen. Mittlerweile hat er diese Band zu seinem musikalischen Hauptprojekt gemacht und mit “Powder Burns” bereits das vierte Album veröffentlicht.„Unbreakable“ bietet nun eine Auswahl von 18 Songs aus dem langjährigen Schaffen der Afghan Whigs. Es ist eine recht ausgewogene Mischung aus Songs von den ersten Sub Pop-Releases, den grandiosen Elektra-Alben "Gentlemen" und "Black Love" und auch dem letzten Werk mit dem Titel "1965".

Ghosts: The World Is Outside (Warner)

Manche Bands brauchen ein paar Anläufe, bis es mit dem Durchbruch klappt. Ghosts wurden bereits 2003 in den einschlägigen Brit-Postillen als einer der nächsten großen Pop-Acts in die Hype-Maschinerie geworfen, damals hießen die studierenden Musikanten allerdings noch Polanski. Und dann waren es die Kollegen von Keane, die damals zu den Superstars der Saison wurden. Vier Jahre später treten Sänger Simon Pettigrew und seine Jungs erneut an, das nächste große Ding zu werden, und wenn man sich das langsam anschwellende Raunen über "The World Is Outside" so anhört, dann könnte es sogar gelingen. Aber das sagt noch nichts über die Qualität der Platte aus. Abgesehen vom Opener "Stay The Night", der ordentlich Stimmung macht und täglich im Radio läuft, der in den iTunes-Charts erprobten Single "Musical Chairs" und einigen anderen zuckersüssen Popsongs, bieten Ghosts wenig Originalität. Ihren Rivalen von Keane haben sie immerhin ein wichtiges Element voraus: die - wenngleich spärlich eingesetzte - Gitarre.

Tuesday, June 19, 2007

Fair To Midland: Tales From A Mayfly (Universal)

Wer auf ordentlich fette Gitarren steht, ist bei Fair To Midland genau richtig aufgehoben. Die Band, die vom Label von System Of A Down-Shouter Serji Tankian gesignt wurde, passt nicht wirklich in eine Schublade. Mit ihrem musikalischen Stil durchlaufen sie mehrere Genres und lassen sich dennoch nicht fassen. Gegründet wurde die Band 1998 in Texas und eroberte von dort aus die Rock-Welt. Momentan sind sie unter anderem mit der japanischen Combo Dir En Grey und der US-Band Flyleaf auf Tournee in Europa. Diesen Sommer werden Fair To Midland zudem am legendären deutschen "Rock Am Ring" Festival spielen.

Hinder: Extreme Behavior (Universal)

Es fällt schwer Bands wie 3 Doors Down oder Nickelback an dieser Stelle nicht zu erwähnen, doch die Stimme von Austin Winkler erinnert stark an Chad Kroeger und auch musikalisch erfinden Hinder, die derzeit in ihrem Heimatland USA grosse kommerzielle Erfolge verbuchen, das Rad nicht neu. Jeder der zehn mit hitverdächtigen Refrains ausgestatteten Rock-/Alternative-Songs auf "Extreme Behavior" bewegt sich im Midtempo-Bereich und könnte ohne Weiteres den ganzen Tag im Radio rauf und runter gespielt werden. Und auch wenn die Songs für meinen Geschmack insgesamt etwas zu glatt gebügelt wirken, machen vor allem "By The Way" und "Homecoming Queen" mit einigen schönen Riffs und recht eingängigen Melodien auf sich aufmerksam. Auch der rockige Opener "Get Stoned" und das fetzige "Room 21" ist nicht von schlechten Eltern. Selbstverständlich darf auf so einem Album die obligatorische "Powerballade" nicht fehlen: "Lips Of An Angel" heisst der Song und kommt so soft daher, dass er förmlich nach Kuschelrock-Veröffentlichung schreit.