Thursday, May 31, 2007

Xandria: Salome - The Seventh Veil (Musikvertrieb)

Mit „Salome - The Seventh Veil” präsentieren Xandria, die im letzten Jahr auch am "Rock The Bock" in der Kammgarn zu Gast waren, ihre vierte Platte und können genauso überzeugen, wie schon mit ihren Vorgängern. Der orientalische Hauch, den das Cover vermuten lässt, ist allerdings nur ansatzweise zu hören, aber wenn er einsetzt, wie bei "Vampire" oder "Sisters Of The Light", lässt er die Gemüter höher schlagen. Etwas poppiger als die anderen Songs gelingen Xandria vor allem mit letzterem Lied ein Stück mit Ohrwurm-Garantie. Aber weichen die Spielmacher nicht im Geringsten von ihrer üblichen Spielweise ab, sondern bleiben gewohnt an ihrem Stil der Gothic Rock- und Metal-Melodien haften, die sich durch basslastige Riffs, Lisa Middelhauves schöne Stimme und orchestrale Zusätze zu einem bombastischen Gesamtwerk zusammenfügen. Mit Songs wie "Save My Life", "Beware" und "Firestorm" spielt die Band eingängige Melodien mit einem starken Refrain, wie wir es von ihnen in alter Tradition gewohnt sind.

Wednesday, May 30, 2007

Linkin Park: Minutes To Midnight (Warner Music)

Eine der erfolgreichsten Rockbands der Welt sucht zur Zeit ihre Rolle. Der NuMetal-Zug ist längst abgefahren. Dessen waren sich die sechs Kalifornier bewusst, als sie "Minutes To Midnight" in Angriff nahmen. Wohin sollte der Weg also führen? Zum radikalen Stilwechsel, zu wilden Experimenten oder eher zur sanften, vorsichtigen Veränderung?"Minutes to Midnight" beginnt (nach einem konturlosen Intro) zwar vielversprechend mit "Given Up", einem bösen Rock-Kracher mit starkem Punk-Einfluss, aber danach wird schnell klar: Der Trend geht zur Mitte, zum Poprock. Die Jungs von Linkin Park hatten zwar schon früher ein Gespür für engängige Melodien, aber so stromlinienförmige Songs wie "Leave out all the rest" oder "Shadow of the day" waren von ihnen bis anhin nicht zu hören. Damit tut sich die Band keinen Gefallen, denn mit jeder Schicht Geigen, die in die Arrangements gedrückt werden, verliert sie an Dringlichkeit. Glücklicherweise bietet "Minutes To Midnight" aber auch spannende Gegenpunkte zu den überladenen Nummern, "Bleed it out" etwa. Oder "No more sorrow", ein Mosh-Track, der mit unglaublich fetten Gitarren tief in den Bauch haut. "Minutes to Midnight" ist damit kein Meisterwerk, aber die Neuorientierung der Band ist doch gerade nochmal gut gegangen.

Monday, May 28, 2007

Scorpions: Humanity - Hour 1 (Sony Music)

Die Scorpions sind eine weltweit erfolgreiche Rockband, doch mit ihrem heimischen Publikum taten sie sich seit Jahren schwer. Und das, obwohl die deutsche Combo in ihrer Karriere über 75 Millionen Alben verkaufte, Größen wie Bon Jovi oder Metallica in ihrem Vorprogramm spielten und sie mit "Wind Of Change" auch noch die Gänsehaut-Mauerfall-Hymne präsentierte. In Deutschland wurden sie dagegen oft als kitschig und kommerziell belächelt, vergraulten sich Fans mit Elektro-Experimenten und Schmuse-Balladen. Doch von solchen Problemen lassen sich die vermeintlich alten Säcke, die weltweit immer noch Fußballstadien zu füllen vermögen, nicht aus der Fassung bringen. Kunst oder Kommerz - Hauptsache, die Songs rocken. Und das tun sie, wie das brandneue Scorpions-Album "Humanity - Hour 1" beweist.

Saturday, May 26, 2007

Goran Bregovic: Karmen - With A Happy End (Universal)

Der 57-jährige Allroundmusiker und Komponist aus Sarajevo, dessen Filmmusik von Emir Kusturicas „Time of the Gypsies“ bis „Borat“ reichen, der schon mit Iggy Pop, Scott Walker, Cesaria Evora, Sezen Aksu oder Ofra Haza zusammenarbeitete, hat sich seinen guten, internationalen Namen vor allem durch diese ganz spezielle Art gefühlvoller aber respektloser Kunstwerke gemacht. Ob zum Film, am Theater oder im Konzert mit seiner „Wedding and Funeral Band“, immer trifft der erklärte „Jugoslawe“ den richtigen Ton zwischen Tradition und Moderne, zwischen Polka und Post-Punk. Schon 2004 bastardisierte er den Komponisten Bizet mit seiner Gypsy-Oper „Karmen“ als Mischung aus „Jahrmarkttheater und Oper“, wie er selbst es beschreibt. Der Triumph dieser Aufführungen überzeugte ihn schließlich, die Highlights von „Karmen“ im Studio aufzunehmen. In typisch rasanter, hochgradig energischer Art ziehen uns Goran Bregovi? und seine „Wedding and Funeral Band“ dabei in einen Bann aus Bizet-Melodien, Balkanbeats und den brachialen Breitseiten der Brassband. Das Blech scheppert, die Trommeln wirbeln, die Stimmen gurgeln und schreien – und zwar von der anfänglichen „Uvertira“ bis zum Schlussakt von „Lamour“. Dazwischen gibt der studierte Geiger, Philosoph und Soziologe, der sich eigentlich schon mit Anfang vierzig, nach einer erfolgreichen Rockkarriere auf eine Adriainsel zurückziehen wollte, abwechselnd „Gas Gas“, gebietet „Stop“ oder gibt ähnlich Unmissverständliches zu verstehen, etwa in „Ne Siam Kurve Tuke Sijam Prostitutke“.

Friday, May 25, 2007

Wir Sind Helden: Soundso (EMI)

Auch Helden brauchen mal eine Pause - in diesem Fall eine Babypause: Im Herbst letzten Jahres zog sich Deutschlands erfolgverwöhnte Poprock-Band Wir sind Helden zurück, um Windelwechseln zu lernen und nebenbei ein neues Album aufzunehmen. Wer nun aber erwartet hat, die Babyfreuden hätten Sängerin Judith und ihre Jungs sanftmütig gemacht, der irrt gewaltig. Die Songs des neuen Heldenalbums sind aufmüpfig, direkt und bestimmt wie selten zuvor. Die Helden waren schon immer Spezialisten darin, hintergründige Themen in wortwitzige Texte und locker-leichte, sehr eingängige Gute-Laune-Melodien zu verpacken - und auf "Soundso" perfektionieren sie diese Fähigkeiten noch. Unglaublich beschwingt philosophiert Sängerin Judith über Krieg, Panikzustände, Bindungsängste und viele Themen mehr. Gerne driften Text und Musik auch einmal ins Absurde ab. Und Backgroundsängerinnen, die mit englischem Akzent deutsche Texte singen, hört man sicherlich auch nicht jeden Tag. Überhaupt widerlegen Wir sind Helden mit diesem Album eindrucksvoll den Glauben, dass ihre Songs sich immer "Soundso" anhören müssten - und überraschen statt dessen mit ganz neuen, ungewohnten Höreindrücken.

Thursday, May 24, 2007

Paradise Lost: In Requiem (Century Media)

Nicht wenige Fans und Kritiker sahen Paradise Lost schon wenig rühmlich der Gothic-Metal-Rente entgegendümpeln, doch mit ihrer neuen Platte "In Requiem" beweisen die Briten, dass sie noch einige Asse im Ärmel haben und wissen, wann und wie man diese am cleversten ausspielt. Selbst eingefleischte Anhänger der Band zweifelten in den vergangenen Jahren mehr als einmal daran, dass Nick Holmes und seine Mannen noch einmal an Meisterwerke wie "Shades Of God" oder "Draconian Times" anknüpfen könnten. An die Sternstunden der ParadiseLost-Karriere reicht zwar auch "In Requiem" nicht ganz heran, das Album präsentiert die Engländer aber so inspiriert, spielfreudig und kraftvoll wie schon lange nicht mehr. Die Riffs haben Biss, die Grooves gehen höllisch in die Beine, und nicht wenige der pechschwarzen Hooklines fräsen sich schon beim ersten Hördurchlauf ins Langzeitgedächtnis. Der seichte Gothic Rock der vergangenen Alben scheint glücklicherweise passé zu sein, die einstigen Hohepriester der hartmetallischen Melancholie sind drauf und dran, ihren verwaisten Tempel zurückzuerobern

Wednesday, May 23, 2007

The Used: Lies For The Liars (Warner Music)

Dass Bert McCracken, seines Zeichens Leittier und Frontmann von The Used aus Orem, Utah, während eines Castings rekrutiert wurde, wissen die Wenigsten. Auch meinen viele, die Band verdanke ihr bisheriges mediales Echo lediglich der Beziehung von eingangs erwähntem Bert McCracken mit Ozzy Osbournes Tochter Kelly (bei dem Gedanken kann es einem schnell übel werden…). Doch als diese Beziehung endete, staunten viele nicht schlecht, denn der Vierer mauserte sich in der Folgezeit zu einem der renommiertesten Rock-Acts des Landes. Mittlerweile der Hardcore-Szenerie längst entwachsen, stellen The Used nun auch mit 'Lies For The Liars' eindrucksvoll unter Beweis, dass diese steile Karriere noch längst nicht das Ende dieser beeindruckenden Entwicklung sein muss. Sänger McCracken, der sich aufgrund seiner gesundheitlichen Labilität von einem musikalischen Kollaps zum nächsten zu wuchten scheint, macht auch "Lies For The Liars" zu einem intensiven Erlebnis der ganz besonderen Art. Bereits der fulminante Opener "The Ripper" zeigt The Used in all ihren Facetten und zeugt von einer Band, die nach all den Hardcore-Eskapaden der letzten Jahre leicht poppige und melodisch-zugängliche Refrains für wichtiger und effektiver hält als bloße Wut. Auch "Pretty Handsome Awkward", "Bird And The Worm" und die meisten der übrigen Songs leben vom scheinbaren Gegensatz aus getriebenen und Riff-beladenen Strophen und eingängigen Refrains.

Tuesday, May 22, 2007

Funeral For A Friend: Tales Don't Tell Themselves (Warner Music)

Stellten Funeral For A Friend 2003 mit "Casually Dressed & Deep In Conversation" ein amtliches Debüt vor, das den Fünfer aus Wales gleich in die erste Liga der Emo-Szene katapultierte, legten sie 2005 mit ihrem zweiten Silberling "Hours" nach, mit dem sie ihren Erfolg noch einmal bestätigten. Nun ist der dritte Longplayer "Tales Don’t Tell Themselves" fertig, mit dem die Jungs um Frontmann Matt Davies wieder durchstarten und an die Erfolge der ersten beiden Platten anknüpfen wollen. Dargeboten wird auf der neuen Platte melodiegeschwängerter Emo-Pop, der mittlerweile ein breites Publikum ansprechen dürfte, hat die Band doch noch mal an Eingängigkeit dazu gewonnen. Allerdings sind die Überraschungsmomente, die Wendungen in den Songs – die besonders auf ihrem Debüt für Entzückung sorgten – auf "Tales Don’t Tell Themselves" spärlicher gesät. Die Songs konzentrieren sich nun eher auf das Wesentliche und wirken kompakter. Für hymnische Refrains und harmonische Strophen, sowie für dominierende Gitarrenriffs ist natürlich auch auf dem neuesten Werk von "FFAF" gesorgt. Dabei werden die Titel vereinzelt durch Elemente, wie Gastsängerin Lianne Francis' angenehm weicher Gesang ("The Diary"), Streicherarrangements ("Raise The Sail", "The Sweetest Wave") oder mehrstimmige Vocals ("The Great Wide Open") veredelt. Die Texte behandeln die für das Emocore-Genre typischen Themen wie Liebe, Familie, Trennung und Einsamkeit.

She-DJ Tanja La Croix: A Trip To Bikini Island (TBA)

Das Model macht sowohl hinter den Plattentellern als auch vor der Fotokamera eine sehr gute Figur – und straft das Vorurteil Lüge, dass ein scharfer Hase nicht auch gleichzeitig eine souveräne Turntable-Artistin und Dance-Produzentin sein kann. DJ Antoine glaubte als Erster an ihr Potenzial und nahm sie 2005 auf die ausgedehnte «Houseworks»-Tournee durch die Schweiz mit. Anfang 2006 mixte sie die erste Mix-CD für das Ostschweizer Partyportal «Laut und spitz». Doch seit ihrer Debüt-Maxi «Bikini» im Herbst 2006 arbeitete sie im Studio intensiv an ihrem Solo-Debüt «A Trip To Bikini Island», das keine Wünsche offen lässt. «Callin World» ist ein Electro-House-Instrumental­ mit trockener Bassline. «A Man Tonight» ist New Yorker Tribal-House mit dem Quote «I want a man tonight». Fernöstliche Melodien und Gesänge kommen im elektrisierenden House-Track «Habibi» zum Zug. Trockene Electro-Bässe und «Rocky»-Fanfaren prägen «The Gun». Der sommerliche Vocal-House-Song «Save Me» kommt mit einer satten Basslinie, Tribalbeats und einer markanten Melodie daher.

Monday, May 21, 2007

Wire Daisies: dto. (EMI Music)

Mit ihrer ersten Single "Everyman" sorgten die Wire Daisies 2005 für eine wahre Euphoriewelle. Die UK-Presse feierte die Band als "die Neuentdeckung" (Music Week), welche "mit einer Mischung aus melodischen Rocksongs und humorvollen Texten unsere Aufmerksamkeit erobert" (Daily Mirror). Ihre beeindruckenden Live-Performances führten damals dazu, dass sie auf den Line-Ups zahlreicher europäischer Top-Festivals (z.B. das Montreux Jazz Festival) nicht fehlen durften. Das Schalkhafte ist den vier Musikern bis heute geblieben: Der neueste Clip zum Song "Gay Boy" zeigt sich farbenfroh, tierisch unterhaltsam - die Lyrics sind amüsant und provokativ: "He's a gay boy and he shows. It's okay, boy, no one knows", trällert Leadsängerin Treana Morris. Doch nicht nur dieser Song, das ganze Album der «möglichen Nachfolger der Cranberries» (Music Week) überzeugt schwer. Wann die Truppe wieder auf helvetischer Bühne rocken wird, steht noch nicht fest.

Bravo Hits 57

Wer hätte das geglaubt? Es gibt sie immer noch, die Bravo Hits.
Fans von Radiopop und Kommerzmusik werden jubilieren, denn diese CD ist einmal mehr Best-Off Einheitsbrei. Ein kurzer Blick auf den Index lässt befürchten, was das Ohr gleich danach später erfahren muss: Alle die Stars aus unserer Pubertätszeit existieren noch und sind aktiver denn je: No Angels, oh Gott. Sasha, bitte nicht, Sarah Connor, skandalös, Thake That, was die gibt's wieder? Jennifer Lopez, ok, die ist wenigstens hübsch. Tokio Hotel, aaaaaaaaaaaaaaaaaah. Die Bravo Hits machen einmal mehr einen Querschnitt durch die aktuellen Radiocharts. Für Leute ohne Radio oder ohne iTunes ist sie deshalb ein absolutes muss um auf dem Laufenden zu bleiben. Aber einmal mehr wurde bei Bravo Hits Quantität vor Qualität gesetzt. Da sind beispielsweise die Fanta 4 auf der Scheibe, aber mit einem absolut närrischen Lied namens "Ernten was wir sähen", das ist nun nicht wirklich nicht gerade die stärkste Auskoppelung ihrer neuen Scheibe "Fornika". Immerhin "Ruby" von den Kaiser Chiefs und "Louder" von Boundzound sind zwei kleine Lichtblicke. Nicht schlecht ist übrigens auch "Hit me up" von Gia Farrell. Den Hut sprengt dem anspruchsvollen Hörer schlussendlich ein Remix von DJ Ötzi und der grässliche Song "Candyman" von Christina Aguilera. Wurde da eigentlich der Schlagzeugbeat von "Mambo Nr. 5" recyclet? Naja, die CD ist alles andere als der Hammer. Anhören nur auf eigene Verantwortung!

Björk: Volta (Universal)

Endlich: Die isländische Sängerin, Songwriterin und Multiinstrumentalistin Björk präsentiert ihre Weltanschauung in Form eines neuen Albums. Doch statt die Sache verkopft anzugehen, hatte Björk bei ihrem sechsten Album eine andere Herangehensweise. Während Björk auf ihrem Vorgängeralbum "Medúlla"nur ihre Stimme einsetzte, bewegt sich "Volta" wieder rhythmischer und tanzbar. Zwei experimentelle afrikanische Gruppen und ein zehnköpfiges Blasorchester, Über-Produzent Timbaland, Antony Hegarty von Antony And The Johnsons und der Elektroniker Mark Bell von LFO, gehören zu den Eckpfeilern von "Volta". Doch massgebend für den Sound ist das Schlagzeug, welches dem Sound eine Art Trance-Zustand verpasst. Überraschend ist die Zusammenarbeit mit Timbaland nicht, denn er hat Björks Song "Joga" schon vor 11 Jahren als Sampler benutzt und wollte ohnehin längst mit der Ausnahmekünstlerin zusammenarbeiten. Wie die Arbeit dann zustande kam? Björk fragte sich: "OK, wo ist der Spassfaktor?" und rief Timbaland an. Der Rest ist seit 4. Mai auf "Volta" zu hören.

Saturday, May 19, 2007

Soundtrack: Shrek The Third (Universal)

Lange muss der Doktor nicht mehr warten, bis sein Film des Jahres endlich in die Kinos kommt. Als kleines Schmanckerl gibts jetzt bereits mal die Filmmusik und die ist gar nicht mal von schlechten Eltern. Vor allem der Track von Black Eyed Peas-Sängerin Fergie überrascht, sie gibt sich hier mal als scharfe Rockerbraut. Ausserdem vertreten sind die unvergessenen (aber leider fast schon restlos ausgestorbenen) Ur-Punker Ramones, Eels, Led Zeppelin, Wings, Macy Gray, Wolfmother, Matt White, Trevor Hall sowie - wie schon auf dem Soundtrack zu Teil 2 - ein fesches Duett von Eddie Murphy und Antonio Banderas!

Friday, May 18, 2007

Mute Math: dto. (Warner Music)

Ihre Einflüsse sind vielfältig, aber der Sound, den Mute Math am Ende zustande bringen, ist ein schönes Beispiel für die alles vereinende Homogenität im Alternative-Pop. Ein bisschen Frühachtziger New Wave, die leichten Police-Anklänge in den Vocals, die stechende Kühlheit der frühen Radiohead, die Tanzethik von New Order und das strömende Fliessen der Secret Machines - wenn man etwas hinhört und seine Gedanken frei treiben lässt, lässt sich da allerhand heraushören. „Nun, das liegt an vierzig Jahren Musikgeschichte, die uns beeinflusst haben,“ verteidigt Sänger Paul Meany das weite Feld der möglichen Assoziationen. Denn die Magie der Band basiert auf der Mixtur unendlich vieler Ideen. Und heraus kommt eine elegante Form atmosphärischer Popmusik, die bei näheren Hinhören ein umfassendes Kaleidoskop von Sounds offenbart.
In eine Garage hineingeboren, in der es von altem Equipment, Radio Shack-Billigmikros, kaputten Plattenspielern und sonstigen Elektronik-Gimmicks nur so wimmelte, war es eine logische Folge, dass Mute Math sich neben dem Komponieren auch der Erforschung ausrangierter und selbstgebauter Instrumente widmete - etwa einer heruntergekommenen Keytar und einem von ihnen gern verwendeten Live-Sampler. Elektronik spielt also durchaus eine Rolle, und dementsprechend vielfältig kommen so auch die Sounds daher, die einem auf dem Album begegnen. Eine gelungene Mischung aus Gitarrensong und Synthetik-Arrangements zeichnet die Band aus, die das Ganze mit durchaus sehr berührenden Songs und trefflichen Hooks fundiert.

Soundtrack: Ibiza Sessions 2007 (Sony Music)

DJ Mr. Fiction präsentiert am Samstag die neue Sony Ibiza Session 2007 im "Orient", daher hier eine kleine Vorschau, was die House-Fans dort erwarten wird: 20 heisse Tracks sorgen auf der Platte für ausgelassene Stimmung von Party-Eldorado Ibiza bis nach Zürich. Mr. Fiction himself lässt darauf neben Niels van Gogh, Electrico, Tanja La Croix, Morillo feat. Sean P Diddy, Johnny Crockett und vielen anderen die Puppen tanzen. Als absolutes Highlight gilt der exklusiv eingespielte Track "U Can't Keep It On" von Mr. Fiction inklusive individuellem Code zum Downloaden des dazugehörigen Video-Clips mit Tussi Xenia Tchoumitcheva.

Wednesday, May 16, 2007

Ozzy Osbourne: Black Rain (Sony Music)

Nach einer sechsjährigen Pause meldet sich Ozzy Osbourne doch tatsächlich mit neuen Krachern auf die Ohren zurück. Offensichtlich ist der Mann trotz regelmässigem Drogenkomsum einfach nicht totzukriegen:-) Auf "Black Rain" präsentiert sich der "Prince of Darkness" nicht als "Dreamer", sondern liefert ein klares Bekenntnis an seine Hard & Heavy-Wurzeln ab. Das Follow-Up zum Album "Down To Earth" (2001) , wurde im selben Line-Up aufgenommen, mit dem Ozzy bereits bei den Dates des Ozzfests 2006 auf der Bühne stand: Zakk Wylde, Mike Bordin (Ex-Faith No More) und der Rob "Blasko" Nicholson (Ex-Rob Zombie). "Black Rain" wurde in Osbournes Heimstudio in Los Angeles aufgenommen. Co-produziert wurde das Album von Ozzy selbst und Kevin Churko, der auch den Mix übernahm. Es zeigt den zweimaligen Grammy-Gewinner und Rock'n'Roll-Hall-of-Fame-Rekruten so lebendig wie kreativ und beweist: Ozzy hat den den Zenith seiner Karriere als Sänger und Songwriter noch lange nicht überschritten. "Black Rain" enthält insgesamt zehn neue Songs, darunter Tracks wie "I Don't Wanna Stop", "Not Going Away", "Countdown's Begun" und "Civilize The Universe". Mit "Lay Your World On Me" und "Here For You" unternimmt Ozzy gerade mal zwei Ausflüge in Richtung Ballade.

Monday, May 14, 2007

Dolores O' Riordan: Are You Listening? (Sanctuary)

Kein Rockstar mehr zu sein, kann sich so unverschämt gut anfühlen. Dolores O'Riordan, ehemals Frontfrau der Cranberries, weiss darüber das ein oder andere Lied zu singen, denn genau sechs Jahre nach der Veröffentlichung von "Wake Up And Smell The Coffee" möchte sie sich der Aufmerksamkeit ihrer Hörer ein weiteres Mal gewiss sein und fragt mit verhaltener Stimme: "Are You Listening?" Es ist unbestreitbar, dass O'Riordan nicht nur das akustische Aushängeschild, sondern auch treibende und zudem kreative Kraft bei den Cranberries war. "Are You Listening?" ist somit auch ein Album geworden, von dem man von der ersten Minute an weiss, wer hier die Zügel in der Hand hält. Etwas weniger offensichtlicher kitschig als die Songs ihres ehemaligen Hauptengagements gehalten, dürfte bereits das eröffnende "Ordinary Day" den Grossteil der Überzeugungsarbeit für die junge Songschreiberin leisten. Das ist schlicht und ergreifend leichtfüßiger Pop, über weite Strecken leicht zugänglich und doch mit jeder Menge Niveau und Tiefgang versehen. Mit "When We Were Young" unternimmt Dolores O'Riordan nicht nur Ausflüge in die Vergangenheit, sondern auch solche, die sie in Tonlagen geleiten, die diese Stimme auch bei den Cranberries so einzigartig werden ließ. Mit "Human Spirit" stellt O'Riordan dann ihre kunstfertige Herangehensweise an das Unterfangen Pop unter Beweis. Mit Flöten und Streichern angereichert, mündet auch dieser Song in einem nicht erdrückenden Bombast-Sound, der die Melancholie quasi heraufbeschwört. Neben getragen-sphärischen Sounds umfasst "Are You Listening?" darüber hinaus das ganze Spektrum zwischen Rock und Pop und läuft dabei nie Gefahr, in die gefürchtete Belanglosigkeit zu geraten.Dass Dolores O'Riordans Solo-Debüt für Fans der Cranberries ein Freudenfest werden wird, scheint klar, denn die Gabe, Hits zu schreiben, die hat O'Riordan eindrucksvoll in ihre Solo-Karriere retten können.

Silje Nergaard: Darkness Out Of Blue (Universal)

Die norwegische Sängerin Silje Nergaard hatte bereits eine beeindruckende Karriere als Popkünstlerin hinter sich, bevor sie sich auf das Jazzterrain wagte. Nachdem sie es in den frühen neunziger Jahren mit Liedern wie "Tell Me Where You're Going" in die skandinavischen Hitlisten ebenso wie in die britischen Top 40 geschafft hatte, wagte sie ein knappes Jahrzehnt später den Neuanfang als Jazzkünstlerin, was genau genommen eine Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln darstellte. Seitdem gehört sie neben Altmeisterinnen wie Sidsel Endresen und jungen Kolleginnen wie Rebekka Bakken und Torun Eriksen zu den wichtigsten Stimmen des hohen Nordens. Vier Jahre nach ihrem letzten Album "Nightwatch" meldet sich Silje Nergaard endlich mit einem neuen Studioalbum zurück. Die Zeit brauchte sie unter anderem dazu, ihre Band neu zu formieren, da das Tord Gustavsen Trio, das sie seit "Port Of Call" (2000) regelmäßig begleitet hatte, nunmehr eigene Karrierepfade eingeschlagen hatte. Aber die personelle Umbesetzung hat Silje alles andere als geschadet, sie ermöglichte ihr auf "Darkness Out Of Blue" musikalisches Neuland zu betreten: "Es ist ein sehr inspirierendes Projekt gewesen", meint Silje Nergaard. "Es hat für mich immense Bedeutung, weil ich spüre, daß es der Beginn von etwas Neuem ist."

Saturday, May 12, 2007

Boundzound: dto. (Universal)

Um die Ecke kam er mit seinem Soloalbum geschlichen, der Seeed-Mann Demba. Ganz dezent bei einem anderen Label als seine Band, ohne allzu große Eigenwerbung vor der Veröffentlichung. Dabei ist "Boundzound" keine kleine Platte, sondern eine, die sich viel von ihrer Mutterband genommen hat. Den Reggae, das ist wenig verwunderlich, aber auch dieses bunte und multikulturelle Selbstverständnis, das nicht unbedingt die Realitäten Berlins widerspiegeln mag, aber dennoch ganz schön dick Mariannenplatz, Bergmannkiez und Kottbusser Tor in sich trägt. Kurz gesagt: Boundzound klingt so, wie Kreuzberg riecht.Nach vielen Dingen, und nach verschiedenen Dingen. Nach Straßenecken, an denen unvermittelt alles anders wird, nach Trostlosigkeit, die sich aber ihre Lebensfreude nicht nehmen lässt. Oder auch: Hier trifft Pop auf Reggae auf Dancehall auf Funk, hier wird sessionhaft und zumindest scheinbar sehr spontan das zusammengelötet, was Demba und den Herren seiner Band, die fast so groß wie Seeed ist, eben so in den Sinn kommt. Wie gut das funktioniert, zeigt die erste Single "Louder", die ein ziemlicher Knaller für die Blocparty ist und sicher auch Open Air ganz hervorragend funktionieren wird. Nicht alle Songs des Albums pumpen sich dermaßen ins Ohr - Boundzound wechseln die Stile und Geschwindigkeiten, eben weil sie nicht nach irgendeiner Agenda, sondern nach dem Lustprinzip arbeiten. So finden sich sogar zwei deutsche Songs auf dem Album, was zunächst etwas irritiert. Aber in puncto Arrangement passen sich sowohl "Marathonmann" als auch "Wellnessclub" dann doch so gut in den Kontext ein, dass sie keine Stolpersteine, sondern eher schicke Hinweistafeln am Wegrand sind. Für Seeed-Fans ist "Boundzound" ohnehin Pflicht - aber auch jeder, der diesen typischen Reggae-Worldpop Berliner Prägung ganz gerne mag, kann hier bedenkenlos zugreifen. Übrigens: Seeed in ihrer Reinform pausieren nächstes jahr, erst 2009 soll ein neues Studioalbum erscheinen. Bis dahin dürfte aber mindestens eine Hand voll Platten einzelner Mitglider erscheinen. Also - dranbleiben.

Friday, May 11, 2007

The Pigeon Detectives: Wait For Me (TBA)

Diese fünf Herren sind ein schönes Beispiel dafür, dass sich Durchhaltevermögen eben doch noch lohnt: zehn lange Jahre verbrachte das Quintett aus Leeds ungehört im Probekeller, bis Anfang diesen Jahres Steve Lamacq von der BBC die Mannen entdeckte. Von da ging alles schnell: es folgten der lang ersehnte Plattenvertrag bei Dance To The Radio, ein Auftritt beim Reading Festival in England, ein eigenes erstes Album produziert mit Steve Harris (U2, Kasier Chiefs) und zuletzt der nötige Hype der NME-Kultklatsche, die den straigthen, schnörkellosen Sound der Briten als "Indie-Pop in Pefection" beschrieb. So weit wollen wir uns mal nicht aus dem Fenster lehnen, aber fest steht: die Handklapps, Shouts, Gitarrenriffs und nicht zuletzt die Stimme von Sänger Matt rocken, und das nicht zu knapp.

Jai Alai Savant: Flight Of The Bass Delegate (TBA)

Jai Alai ist eine extrem schnelle Ballsportart. Sie könnte als exotische Version von Squash beschrieben werden. Und ein Jai Alai Savant ist quasi jemand, der das Spiel voll drauf hat. Nette Idee vom Bandgründer Ralph Darden, seine Combo so zu nennen. Seine zahlreichen impulsiven Aktivitäten innerhalb der Szene in und um Philadelphia spiegeln durchaus den Charakter dieses aufgeweckten Teamspiels wider. Darden saugt alles in sich auf, ganz egal, woher ein Einfluss auch kommen mag. Dem Sport nicht unähnlich geht er in seinem musikalischen Projekt The Jai-Alai Savant vor. Auf "Flight Of the Bass Delegate" wird Verschiedenes wie Dub, Ska Punk und Pop miteinander vermischt und aus den Reibungspunkten ein angenehmer Sound jenseits des Mainstreams kreiert.Nach einem kurzen Intro dominiert der Punk in "Arcane Theories", doch schon bald drängeln sich Ska und Dub in die erste Reihe vor ("Scarlett Johansson Why Don't You Love Me") und werden schließlich noch von zackigen Bläsern verstärkt ("White On White Crime"). Das alles klingt manchmal wie die bessere Version von The Offspring ("When I Grow Up") und manchmal wie eine jüngere Ausgabe der eben wiederbelebten The Police ("Sugar Free"). 13 Songs und kein Ausfall dabei, feine Sache!

Thursday, May 10, 2007

Dover: Follow The City Lights (EMI)

Schockschwerenot! Was haben sich die beiden Llanos-Schwestern bei dieser Platte bloss gedacht? Was soll dieser ganze Elektro-Schnickschnack neben den extrem reduzierten Gitarren? Dieses Album wird die Band wohl zweifellos in die Charts bringen aber alteingesessene Fans wie mich entäuschen "Dover" doch ziemlich. Das ist kein genialer Melodic Punk mehr wie früher sondern lupenreiner Pop! Ob der Stilwechsel mit dem Abgang von Bassist Alvaro Diaz zu tun hat oder man ganz einfach mit radiotauglichen Sounds noch mehr Knete machen will? Immerhin hat Sängerin Christina Llanos mal ein paar Pfunde abgespeckt wie's aussieht... Wenigstens eine gute Nachricht...

Wednesday, May 9, 2007

Fabienne Louves: Schwarz uf Wiiss (Sony Music)

Auf "Schwarz Uf Wiiss" singt Music Star Fabienne sämtliche Songs auf Schweizerdeutsch und fühlt sich hörbar wohl dabei. Die Luzernerin geniesst es, in ihrer Muttersprache zu singen, weil sie sich dabei genau so natürlich geben kann, wie die Schweiz Fabienne kennen und lieben gelernt hat. Ihre Natürlichkeit hat Fabienne trotz ihrem überwältigenden Erfolg nicht verloren. Im ganzen Medienrummel sagt sie sich selbst immer wieder: "Blib so wie’d bisch". Fabienne wird auf ihre ungekünstelte und sympathische Art "Simply The Best" bleiben. Fabienne singt mit viel Herzblut, wie man es von Schweizer Sängerinnen noch selten gehört hat. Das Energiebündel tobt sich in rockigen Songs aus und bringt eine riesige Portion Soul in die groovenden Popsongs. Auch in frechen Rotznummern macht sie eine gute Figur, z.B. zusammen mit Rapper E.K.R. in "Fanny", der Adaption von Donna Summers Überhit "She Works Hard For The Money".

Tuesday, May 8, 2007

Travis: The Boy With No Name (Sony Music)

Haben Travis den Kredit ihrer grandiosen zweiten Platte "The Man who" und der Übersingle "Why does it always rain on me?" verspielt? Nach dem allzu niedlichen Album "The invisible Band", den mit Krampf erzwungenen Melodien von "12 Memories" und drei Jahren Pause ist das fünfte Album vermutlich die letzte Chance für das Quartett aus Glasgow. Abweichungen vom bewährten Melanchopop waren natürlich nicht zu erwarten. Zudem ist es ein Warnzeichen, dass sie beim Albumtitel den Sohn von Sänger Fran Healy vor Augen hatten und dem Nachwuchs mit "My Eyes" auch noch einen Song widmeten (wie putzig!). Doch glücklicherweise finden sie auf der neuen Platte zurück zu eingängigen Melodien und großen emotionalen Momenten, und Songs wie "Battleships" versorgen uns nicht mit pathetischen Elternfreuden, sondern mit poetischen Erörterungen von Beziehungsfrust.

Soundtrack: Spiderman 3 (Warner Music)

Wenn die Spinne kommt, kommt die Gerechtigkeit. Und sie kommt auf gelenkigen Füßen mit Netz im Ärmel und dem Sinn für das Wahre und Gute. Was immer der dritte Teil des legendären Spidi auch bringen mag, es wird auf jeden Fall phänomenal gute Musik dabei sein. Denn der Soundtrack zum Film wartet mit allem auf, was wahr und gut ist. Und nicht nur das: Fast alle Bands haben brandneues Originalmaterial zum Soundtrack abgeliefert. The Killers, das derzeitige Superhypethema aus Las Vegas, brillieren mit rockigen Krachfaktor und dem Song "Moving Away", und die Indie-Helden "Yeah Yeah Yeahs" steuern ihren zickigen Trademark-Track "Ceilings" dazu bei. Ebenfalls im Netz: ein brandneuer Song der ProgRocker Wolfmother, die mit einer irrsinnigen Mischung aus Led Zeppelin, Black Sabbath und AC/DC im letzten Jahr komplett im Rockbereich abräumten und auf ihren ausverkauften Konzerten staunende Fans hinterließen, und ein gleichfalls frisch geschlüpfter Song der Australischen Rocker Jet, die sich mit "Fallen Star" ganz entspannt geben. Wo es um das Gute geht, dürfen natürlich die Flaming Lips nicht fehlen, die mit dem "Theme From Spider Man" ein gelungenes Titelstück präsentieren. Der Teasertrack zum Film kommt diesmal von Snow Patrol aus Glasgow, deren Song "Signal Fire" die ganze Sache mit einer Extraportion Gefühl anreichert.Ein weiterer Höhepunkt sind die Beatsteaks aus Berlin, die aus ihrem brandneuen Punk-Album "Limbo Messiah" den Song "Cut Off The Top" zur Verfügung stellen – und dies in einer Re-Mix-Version des renommierten Dance-Producers Timo Maas.

Fountains Of Wayne: Traffic And Weather (EMI)

Kennt jemand in Europa Fountains of Wayne? Nein? Kein Problem, die Band war eine dieser unzähligen Kapellen, die in der Mitte der 90er-Jahre den gitarrenlastigen Indie Rock-Markt überschwemmten. Damals nannte man so etwas College Rock und der brachte sogar einige wenige Perlen hervor. "Dizzy Up The Girl" von den Goo Goo Dolls und das selbstbetitelte Debütalbum von Third Eye Blind gehören hierzu. Zu diesen meist todernst und mit wenig ironischem Twist versehenen Alben bildeten Weezer das Gegenstück, wurden aber im selben Topf heiß gekocht und brachten bis zum Ende des letzten Jahrhunderts zwei grandiose Platten heraus. Die Band Fountains of Wayne platzierte sich irgendwo dazwischen, tendierte jedoch zur augenzwinkernden Seite dieses College Rocks.
"Traffic and Weather", die erste reguläre Studioveröffentlichung seit 4 Jahren, erfüllt all das, was sich der durchschnittliche Hörer des US-Radios wünscht. Anschmiegsame und vom Pop durchdrungene, leichte und sonnige Musik. Nichts, was provoziert, aneckt oder überrascht. Mit viel sommerlichem huhuhu, schalalalala und handclaps sowie glattpolierten Hochglanzvideos, die von irgendwelchen College-Teenies auf total verrückten Partys handeln, oder wahlweise auch von wilden Cabriofahrten im geklauten Superauto des Nachbarn, spielen sich Fountains of Wayne durch 14 Mid- und Uptemposongs. Traffic and Weather ist mit Sicherheit kein Album für die Ewigkeit geworden. Es könnte ein netter und leichter Begleiter für den Sommer werden, mehr aber leider nicht. Dafür existiert von dieser Art Musik zu viel besseres Material auf dem Markt. Auch wenn dieses dann doch schon ein paar Jahre älter ist. Aber das US-Radio giert ja nach neuen Songs, warum also dann nicht mal Fountains of Wayne spielen? Tut ja keinem weh.

Monday, May 7, 2007

Dinosaur Jr.: Beyond (Musikvertrieb)

Reunion – wer kann dieses Wort eigentlich noch hören? Niemand, weil die meisten musikalischen Aufgüsse nicht annähernd an ihre guten alten Zeiten anknüpfen. Hier haben wir mal eine positive Ausnahme zu vermelden. Denn Dinosaur Jr. klingen auf „Beyond“ so frisch und ungestüm wie damals. Man möchte gar nicht glauben, dass Herr Mascis eine graue Matte hat, Murph einen Wampe und Lou sich eine Badekappe über die Haare wachsen lässt. Trotz ihres fortgeschrittenen, äusserlich erkennbaren Alters, sprühen diese alten Helden noch vor jugendlichem Rock-Leichtsinn. “Beyond” ist ein Meister an Ausdruckskraft. Angefangen mit einem umwerfenden Gitarrenintro auf “Almost Ready” bis hin zur klassischen, sanft wummernden Dynamik von “What If I Knew” ist diese Scheibe ein ausserordentliches Stück echten und unverfälschten Dinosaur Jrs. Die alchemistische Beziehung, die innerhalb bestimmter Bands herrscht, ist schwer zu verstehen. Einige Bands können ihr Line-Up verändern, ohne dass es überhaupt jemand bemerkt. Dies aber war nie der Fall bei Dinosaur Jr. Die Teile, die über die Jahre hinweg verloren gegangen waren, fehlten zwar, doch nun sind sie wieder alle am richtigen Platz.

Manic Street Preachers: Send Away The Tigers (Sony Music)

Das letzte Studioalbum der Manic Street Preachers war eine herbe Enttäuschung, ja vielleicht sogar das schwächste Werk in der Geschichte der walisischen Rockband. So konnte es für das Trio nicht weitergehen. Das merkten auch die Protagonisten höchstselbst und verordneten sich Kreativurlaub abseits der Band. Die Masterminds James Dean Bradfield und Nicky Wire nahmen mit „The Great Western“ und „I Killed The Zeitgeist“ gute bis sehr gute Soloalben auf. Was Drummer Sean Moore in der Zeit getrieben hat, ist nicht bekannt. Aber es hat geholfen! Denn als die Drei zwischen März und November 2006 wieder gemeinsam an Songs für das achte MSP-Studioalbum arbeiteten, kam das alte Rock’n’Roll-Feeling zurück und 30 Stücke sprudelten aus den Walisern heraus. Das Ergebnis ist ein Album mit wunderbar knackigen Songs (elf an der Zahl) und nur 38 Minuten Spielzeit. Ein Album, das exakt auf den Punkt bringt, was dem zu poppigen Vorgänger fehlte. Welch eine Wiedergeburt!

Thursday, May 3, 2007

Feist: The Reminder (Universal)

Wer Leslie Feist von ihrem internationalen Erfolgsalbum „Let It Die“ (2004), das einige Auszeichnungen mit sich brachte und sie auch abseits ihrer kanadischen Heimat berühmt machte, kennt, wird sich wahrscheinlich über ihre lauten Anfänge als Rock-Musikerin wundern. Denn während besagtes Album mit Schöngeist und tänzelnden Einlagen dem Folk zugetan war, spielte Feist als Teenager in einer Punkband namens By Divine Right und gab sich wilden Gitarren-Eruptionen hin. Doch der Weg führte die natürliche, stets akribisch arbeitende Kanadierin über das 99´er Debüt „Monarch“ zum Indie-Kollektiv Broken Social Scene und Beiträgen auf Peaches- sowie Kings Of Convenience-Alben, die längst nicht ihre einzigen Kollaborationen bleiben sollten. Als traumhaftes Beispiel sei hier nur noch „Fightin´ Away The Tears“ mit Mocky genannt, das auf dessen Album „Navy Brown Blues“ (2006) zu finden ist und melancholischen Glanz zeitloser Großartigkeit versprüht. Damit wären wir bereits beim lange ersehnten dritten Longplayer aus dem Hause Feist, der mit Mocky, Gonzales und Jamie Lidell musikalisch geschulte Freunde der Kanadierin als Instrumentalist, Sänger und Produzent unter seine Fittiche nimmt und dadurch nicht unwesentlich nochmals an Klasse zulegt. Ob es nun Feist mit ihrem vereinnahmenden Gesang voller dringlicher Zartheit, dem Gitarren- oder Piano-Klang ist, Mocky sich an Bass sowie Drums betätigt und Eirik Glambek Boe „How My Heart Behaves“ mit seinen Gesangparts wertvoll ergänzt: „The Reminder“ besticht in jeder Sekunde mit kristallklaren Arrangements, denen die Spielfreude stets anzumerken ist und lässt produktionstechnisch in bester LoFi-Manier jede Emotion offenbart, um Feist und ihrer lockeren, doch sonderbar perfektionistischen Herausforderung nah zu sein.

Mr. Hudson & The Library: Tale Of Two Cities (Universal)

"Was entsteht, wenn man einen Oxford-Absolventen mit Dizzee Rascal kreuzt?", fragte sich ein britisches Online-Magazin und gab sich prompt selbst die Antwort: "Mr. Hudson & The Library." Tatsächlich studierte Sänger Ben Hudson an der britischen Elite-Universität englische Literatur. "A Tale Of Two Cities" ist voll von melodiöser Musik, brillianten Rhythmen und coolen Versen. Ben Hudson selbst bezeichnet seine Musik als englischen R'n'B. Er unterschlägt dabei eine karibische Note, die in fast allen Stücken der Platte zu hören ist und das Album damit ganz vorne ins Reisegepäck einordnet. Ein Steel Drum gibt es immer wieder zu hören und mal tuten Bläser im Reggae-Rhythmus.

Wednesday, May 2, 2007

Black Rebel Motorcycle Club: Baby 81 (Universal)

"Howl", das letzte Album von Black Rebel Motorcycle Club, kam akustisch, fast folkig daher und war eine echte Überraschung. "Nach den ersten beiden Alben stempelten uns viele als Rockband ab", erklärt Sänger Peter Hayes. "Erst mit "Howl" konnten wir alle unsere Facetten zeigen." Nachdem ihnen das gelungen ist, hat das Trio nun wieder die E-Gitarren eingestöpselt. Vielleicht auch deshalb, weil Black Rebel Motorcycle Club endlich wieder ein richtiger Club ist. Während der Aufnahmen zu "Howl" hatte Drummer Nick Jago die Band verlassen. Als er aber pünktlich zur Tour zurückkehrte, "waren das die besten Konzerte, die wir je gaben", so Hayes. Im Rahmen dieserTour entstand auch "Baby 81". Während der Soundchecks nahm die Band Tapes mit Songideen auf und benannte sie nach der Stadt, in der sie gerade waren. Auch der Song "Berlin" kam deswegen zu seinem Namen. "So haben wir ein bisschen konserviert, was dieses Album inspiriert hat", erklärt Hayes. "Selbstmord ist einfach, was ist mit der Revolution?" singt er in jenem Song. Damit wollen BRMC jedoch nicht zur großen Revolte aufrufen. "Es geht eher darum, den Mund aufzumachen und nicht alles hinzunehmen", so Hayes. "Und Rock’n’Roll ist ja irgendwie auch Revolution."

Nine Inch Nails: Year Zero (Universal)

Nine Inch Nails um ihren charismatischen Frontmann Trent Reznor sind seit 1989 DIE Vorreiter in Sachen Industrial Rock. Sie waren die ersten, die gekonnt Stile wie Elektro und Rock miteinander zu verschmelzen wussten. "Year Zero" ist ein Konzeptalbum und thematisiert den Totalitarismus. 2022 ist das Jahr Null und es herrscht die Diktatur von Bibel und Gewalt als Folge von terroristischen Angriffen. Das Ende der Geschichte bleibt offen und lässt Spielraum für Reznor. "Year Zero" ist ein Projekt, nicht einfach ein weiteres Nine Inch Nails-Album.Musikalisch bewegt sich dieses allerdings auf gewohnt hohem Niveau. Wieder etwas experimenteller als die letzte Platte "With Teeth" mit Nummern die bombastisch nach vorn gehen und einen in die Sitze drücken. Reznor geht wieder einen Schritt zum Elektronischen, weniger Gitarren. Zudem runden die ruhigeren und intrumentellen Stücke das Bild des Albums ab. Schöne Melodien sind genauso Bestandteil des Albums wie die experimentellen Parts. Als Grund des schnellen Veröffentlichungszyklus gibt Reznor die Abstinenz von Drogen und Alkohol an, die er seit "With Teeth" durchzieht. Das lässt die Hoffnung steigen nicht mehr fünf Jahre auf ein NIN-Album warten zu müssen.