Bei den Google Produkten ist der Deal hinlänglich bekannt. Man bekommt all die tollen Dienste kostenfrei zur Verfügung gestellt, beispielsweise Suchmaschine, Email-Account, Blog, Kartenservice etc. und im Gegenzug sieht man etwas Werbung und gibt vor allem gewisse Daten von sich preis. Diese Daten kann dann Google wieder nutzen, um möglichst viel Geld durch möglichst effektive Werbung zu generieren. So werden beispielsweise die Emails, welche man über Gmail empfängt, analysiert und dem User wird dann die passende Werbung dazu angezeigt. Geht es in den empfangenen Emails um Tintenpatronen, erscheint dann zum Beispiel Werbung für einen Tintenpatronen Onlineshop etc.
Durch die ganze
PRISM Geschichte ist der Datenschutz nun wieder - wie ein Zahnarzt - in aller Munde. Aber ist der durchschnittliche Internet-User bereit, für Datenschutz Geld auszugeben, wenn er den gleichen Service von Google auch kostenfrei erhält? Ich denke, diese Frage kann man ziemlich klar mit nein beantworten. Die meisten finden auch, sooo grosse Geheimnisse schicken sie nun ja auch wieder nicht per Email herum oder verraten derartiges durch ihre Suchmaschinen-Eingaben.
Nichts desto trotz gab es einige Versuche, von denen ich heute an Accon.de erinnern möchte. Eine Suchmaschine, die besonderen Wert auf Datenschutz legte. Sie speicherte keine ip-Adressen, legte keine Cookies an, schütze die Privatsphäre und es gab keine Profilbildungen der User. Der Server stand in Deutschland und hatte eine eigene Suchsoftware sowie einen eigenen Suchindex, unabhängig von den USA. Obendrauf war alles auch noch Open-Source. Finanzieren wollte sich die Suchmaschine durch Spendengelder ihrer User (siehe Screenshot).
Für den Betrieb brauchte Acoon laut Homepage etwa 1'000 Euro pro Tag. Gespendet haben die User vom 18.06.2013 bis zum 03.08.2013 genau 145 Euro - verteilt auf vier Spender... Tja, nicht gerade sehr viel zusammen gekommen und am 03.08.2013 machte Acoon dann schliesslich dicht - jedoch nicht ohne dass sich Gründer Michael Schöbel noch mal zu Wort meldete, was wir euch hier nicht vorenthalten wollen:
Acoon - Ende nach 14 Jahren Betrieb
Acoon ging am 24.6.1999 online. Und am 3.8.2013 endete der Betrieb. Warum?
Kurz gesagt:
Weil Ihr mich alle mal am Arsch lecken könnt!!!
Ja, Ihr habt richtig gelesen!
Ich hatte Euch hier eine werbefreie Suchmaschine zur Verfügung gestellt, die keine Cookies anlegt, keine Profile von Euch bildet, keine IP-Adressen speichert, und deren Sourcecode zudem auch noch von mir als Open-Source zur Verfügung gestellt wurde. Mit anderen Worten: Ich habe genau das gemacht wonach die Netzgemeinde angeblich so lechzt. All das, was als richtig und gut angesehen wird.
Weil das alles natürlich trotzdem irgendwie finanziert werden muss, habe ich um Spenden gebeten. Für den Betrieb (Server, Internet-Anbindung, etc.) und damit ich weiter meine Miete zahlen und mir was zu essen kaufen kann, wären 1.000 Euro/Tag nötig gewesen. Viel Geld, ja, aber der überwiegende Teil davon wäre natürlich nicht in meine Tasche gewandert, sondern für die ganze Technik drauf gegangen.
Der Spendenaufruf lief vom 18.6.2013 bis zum 3.8.2013, also etwas mehr als 6 Wochen lang. Während dieser Zeit hat Acoon circa 4 Millionen Suchabfragen beantwortet. Und was glaubt Ihr wie viele Leute in der Zeit gespendet haben? Und wie viel? Antwort: Gerade mal 4 Personen (genau genommen 3 Personen und eine Firma), haben insgesamt 145 Euro gespendet. Viel, VIEL zu wenig um Acoon weiter betreiben zu können.
An dieser Stelle mein aufrichtiger Dank an die, die gespendet haben. Herzlichen Dank an JH, KB, RV und MR !!
Besonders enttäuscht bin ich auch von den grossen (Computer-) Nachrichtenseiten im Internet. Man sollte meinen, dass eine werbefreie, datenschutzfreundliche, als Open-Source verfügbare Suchmaschine aus Deutschland, Nachrichtenseiten wie Heise oder Golem eine Meldung wert gewesen wäre. Aber trotz mehrerer Pressemitteilungen und auch direkter Emails war man dort offenbar anderer Meinung und hat Acoon einfach tot geschwiegen.
Tja, offenbar ist in diesem Scheißland trotz Prism, XKeyscore, NSA, GCHQ und was weiss ich sonst noch alles, offenbar niemand wirklich an Datenschutz interessiert. Oder zumindest nicht bereit auch nur einen Euro dafür zu zahlen.
Ich weiss noch nicht, was mein nächstes Projekt sein wird. Ich weiss aber, was es nicht sein wird. Es wird NICHT Open-Source sein. Es wird entweder NICHT werbefrei oder NICHT kostenlos sein. Datenschutz und Eure Privatsphäre werden mich nur so weit interessieren, wie ich gesetzlich dazu gezwungen bin. Denn Ihr wollt es ja offenbar nicht anders.
Und deshalb könnt Ihr mich jetzt alle mal am Arsch lecken!!!
-- Michael Schöbel --
Nachzulesen auf
www.acoon.de oder auch hier im Screenshot:
Schaffhausen.net wünscht Michael Schöbel alles Gute für die Zunkunft!