Samstag, 10. August 2019

Stars in Town - Freitag 9. August 2019 Rückblick

Mit einer vollen Ladung Hip-Hop wurde gestern das Wochenende eingeläutet. Wenn man die aktiven Jahre der drei Acts zusammenzählt kommt man locker über sechzig. Mit dieser Erfahrung und einer grossen Portion Beats feierten die Besucher auf dem Herrenacker eine Party mit den Beginnern, Fettes Brot und Stress.

Beginner am Stars in Town 2019 auf dem Herrenacker in Schaffhausen - Foto: Julis Hatt / sit

STRESS: NOCH IMMER DER HÖFLICHSTE RAPPER DER SCHWEIZ
Auch 16 Jahre nach seinem Debüt-Album spricht Andres Andrekson alias Stress mit einem wunderschönen französischen Akzent Deutsch. Und wie schon zu Beginn seiner Karriere siezt er seine Fans noch immer. Egal ob er fragt: Haben Sie Lust zu tanzen? oder fordert Kommen Sie ein bisschen näher, er tut es in der Höflichkeitsform. In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um den Lausanner Rapper geworden. Doch kaum ist er wieder auf der Bühne, spürt man seine Energie wie eh und je. Auch seine Crew ist dieselbe geblieben. Noch immer singt Karolyn wunderschöne Vocals und MAM unterstützt ihn beim Rappen. Ohne die beiden wäre Stress nicht er selbst. Titel wie Rester Soi-Même, Elle oder die Umwelt-Hymne On n’a Qu’Une Terre haben nichts an Kraft verloren. Noch immer ist Stress einer der vielseitigsten Schweizer Rapper in diesem Land. Als erster Act am diesjährigen Stars in Town bekommt er sogar einen Moshpit vor der Bühne. Als Kreis-Koordinator hat er Colin auserwählt. Auf das Kommando Colin, Kreis! wird dieser zum Zentrum des Pits. Auch wenn sich der Rapper eher Auftritte in Dunkelheit gewöhnt ist, so schafft er es auch im Tageslicht die Stimmung richtig aufzuheizen.

FETTES BROT: FEIERN MIT DER FREITAGS-CROWD
Das wird keine wackelige Angelegenheit, bemerken Dokter Renz, König Boris und Björn Beton schon sehr schnell. Das Wochenende steht vor der Tür und entsprechend euphorisch ist das Schaffhauser Publikum. Seit 1992 hat das Hamburger Trio Hip-Hop-Klassiker geschrieben. Zwei der bekanntesten folgen direkt aufeinander. Emanuela und Jein sind ein starkes Doppel. Erfreulich ist zu sehen, dass bei Fettes Brot nicht, wie bei anderen Combos aus diesem Genre, die Bläser-Sounds aus der Konserve kommen, sondern von einer richtigen Band. Das klingt nicht nur besser, sondern sieht auch richtig gut aus. In witzige Songs verpacken Fettes Brot teilweise ernste Themen. Was nach Klamauk klingt, ist oft ein Appell an das gute Benehmen oder gegen Sexismus. Das neuste Beispiel ist jedoch direkter. Du driftest nach rechts ist eine klare Aussage gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft. Fettes Brot machen Partymusik mit Haltung.

Wie zahlreiche der anderen Acts aus dem Line-Up waren auch Fettes Brot am Nachmittag noch im Rhein schwimmen. Sie benutzen diesen Ausflug für kleine Sticheleien untereinander und gegen das Publikum. König Boris denunziert Dokter Renz: Er dachte, das sei die Elbe. Und der gibt ans Publikum weiter: Ich wusste gar nicht, dass der Rhein durch Österreich fliesst. Auch 27 Jahre nach der Gründung sind die Rapper im Kopf noch die Jungs geblieben, die sie damals waren. Zum Abschluss gibt es eine auf Schaffhausen umgemünzte Version von Frank Sinatra’s My Way, die fliessend in den 1996er-Hit Nordisch by Nature übergeht.

BEGINNER: RÜCKKEHR IN VOLLER STÄRKE
Vor fünf Jahren war Jan Delay mit seiner Band Disko No 1 bereits als Headliner am Stars in Town zu Gast und feierte mit seinen Solo-Songs wie Oh Johnny oder Klar eine wilde Party. Seine Beginner-Buddies Denyo und DJ Mad sorgten damals an der Afterparty in der Kammgarn für eine wilde Nacht. Doch zum Festival-Jubiläum kommen die drei in der Ur-Formation nach Schaffhausen und starten mit dem Comeback-Track Ahnma. Das war die erste Single vom Album Advanced Chemistry von 2016. Dies war die erste Beginner-Platte nach einer Pause von 13 Jahren. Doch auch Tracks aus den späten 90er-Jahren, als sie sich noch Absolute Beginner nannten, stehen auf dem Programm. Hammerhart sogar schon als zweites Stück im Set. Torch von der Heidelberger Hip-Hop-Formation Advanced Chemistry, namensgeber für das neuste Werk der Hamburger, rappt für mehrere Songs in die Reihen der Beginner. Die Baden-Württemberger waren 1987 einer der ersten deutschen Hip-Hop-Acts überhaupt, wodurch sie grossen Einfluss auf Jan Delay und seine Jungs hatten. Diese powern weiter mit Fäule und Füchse. Kaum zu glauben, dass diese Songs schon über 16 Jahre auf dem Buckel haben.

Bevor die Posse weiter in die Kammgarn zieht, geben sie noch ihr Liebeslied zum besten und verabschieden sich bei Danke vom Herrenacker. Für die drei Jungs ist die Nacht noch jung und es zieht sie nur ein paar Häuser weiter. Wieder geht es direkt im Anschluss in die Kammgarn zur Afterparty.

Text: Christian P. Meier / Stars in Town

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