Montag, 7. Februar 2011

20min Kommentar-Rekord von Hardmeier geknackt

Die Jugendsprache ist ein interessantes Thema. 2009 wurde "s'beschte wos je hets gits" zum Schweizer Jugendwort gewählt und traf genau den Nerv der Zeit. 2010 wählte die gleiche Jury den Ausdruck "hobbylos" zum Jugendwort und bekam sehr viele kritische Kommentare zu hören. Der Artikel dazu wurde vom Schaffhauser Hermann-Luc Hardmeier geschrieben und hat bei 20min nun den Kommentar-Rekord gebrochen. Satte 145 Kommentare mit neuen Ideen für bessere oder andere Jugendwörter haben die User hinterlassen. Das ist selbst für 20min Online, die täglich 120 000 Besucher verzeichnen, kein alltägliches Ereignis.


(Der Bericht von Hermann-Luc Hardmeier auf 20min Online)

Den Artikel mit den Jugendwörtern von Hemann-Luc Hardmeier und den z.T. wirklich lustigen alternativen Ideen zu Jugendwörtern und Ausdrücken gibt es hier zu sehen:
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/16791764

Lustige Ausdrücke anstatt "hobbylos" sind etwa "Chill de Läbe", "Gratuliere, du häsch dä Fleischchäs gunne" oder die Entschuldigung "Es tuet mir sorry". Viel Spass beim Stöbern.

Update Schweiz:
Von Hermann-Luc Hardmeier: Die Nachfolger von "hobbylos" wurden 2011 "Mopfer" als Mischung zwischen Mobbing + Opfer. 2012 hiess der Sieger "shaz", als umgangssprachliche Bezeichnung für den Lieblingsmenschen (vor allem in SMS und auf Facebook), danach folgte 2013 "chills" als Aufforderung, nicht gleich bei jeder Kleinigkeit durchzudrehen und auf das Jugendwort 2014 darf man gespannt sein.

Update Deutschland:
Von Hermann-Luc Hardmeier: Deutschland geht ganz andere Wege als die Schweiz. 2010 gab es beim Jugendwort noch eine Stichwahl zwischen Niveaulimbo (ein sinkendes Gesprächsniveau) und Speckbarbie (eine Frau in viel zu engen Kleidern), doch dann änderte der Langenscheidt Verlag, der die Wahl managt die Kriterien. Während sich das Heidiland direkt am Wortschatz der jugendlichen Sprecher bedient, lässt sich Deutschland stark von der Hitparade, Youtube und Co inspieren. 2011 wurde "Swag" zum Jugendwort gewählt. Es bedeutet sinngemäss "lässig-coole Ausstrahlung" und wurde vom Lied "Turn my Swag on" des US-Rappers Soulja Boy geprägt. Ein Jahr später schafft es sodann "Yolo" auf das Podest. Das Jugendwort 2012 (wir sprechen hier immer noch vom deutschen Jugendwort) steht als Abkürzung für "you only live once". Der Ausdruck ist eigentlich nichts anderes als das lateinische Lebensmotto "Carpe Diem" und will ausdrücken, dass man das Leben beim Haarschopf packen soll, auch wenn man nicht immer direkt ins Ziel gelangt. Der Ausdruck wurde mit der Hip-Hop-Single "The Motto" von Drake feat. Lil Wayne" auf einen Schlag bekannt. Von Hermann-Luc Hardmeier.

In diesem Zusammenhang ist in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten auch ein spannendes Interview mit der Poetryslammerin Lara Stoll erschienen. Sie hat dem Journalisten Hermann-Luc Hardmeier darüber auskunft gegeben, wie die Wahl des Jugendwortes jeweils abläuft:

Bild: Zum Lesen des Berichts anklicken! Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier.


Das waren einige der zahlreichen Beispiele für Jugendwörter. Wie immer lösen die Wörter eine Diskussion darüber aus, ob die Ausdrücke überhaupt repräsentativ und gebräuchlich sind. Schreibt doch bei Schaffhausen.net in die Kommentarfunktion rein, wenn ihr weitere Ideen für Jugendwörter habt, die eigentlich hätten gewählt werden müssen.

Kommentare:

DerDoktor hat gesagt…

Oft gehörte Ausdrücke sind z.T. auch:

"Du häsch kei Kollege", wenn jemand eine Arbeit sehr seriös erledigt hat oder "Du Opfer", wenn jemand in ein Fettnäpfchen getreten ist. "Du Holz" ist eine Bezeichnung für jemanden, der sich wie ein Dummkopf verhält.

Mez hat gesagt…

Am Abend im Ausgang "Guete Morge" als Begrüssung gibt's bei uns immer wieder zu hören.

Christian Erne hat gesagt…

Affäpenis (evtl. nicht sehr verbreitet)?

Anonym hat gesagt…

"Ich liege voll i dä Brüch", ist der Klassiker, wenn man verkatert ist.

Adrian hat gesagt…

"Hütt gömmer schteil!"
(Mein Favorit fürs 2011)

Adrian hat gesagt…

Das mit em Rekord verstahn ich aber nöd.. Es git div. Artikel uf 20min online, wo über 300 Kommentar händ..

DerDoktor hat gesagt…

ja, es isch sicher nöd dä artikel mit dä meischte comments, aber 145 comments und über 400 "I like" vo facebook-user isch doch nöd so schlecht. 20min hät schnell mal 20-50 kommentär, aber so 300er sind eher spezialfall und drum isch das mit dä 145 sicher beachtenswert. "hüt gömer steil" findi schomal 1000x besser als hobbylos.

Ein deutscher Tourist hat gesagt…

ist zwar kein schweizer wort, aber die deutsche version von hunger, wenn man betrunken oder bekifft ist heisst "fressflash", finde ich müsste sicherlich auch in die jugendwort-charts aufgenommen werden.

kensa hat gesagt…

obama aus dem weissen haus werfen -> einen scheissen gehen.

fresh -> nicht sehr originell, doch ich höre es sehr oft "da'sch fresh"

DerDoktor hat gesagt…

yeah "fresh" höre ich auch immer wieder. auch als begrüssung z.b. "Bisch fresh?"

oder ironisch gemeint: z.B. Kotzhaufen vor dem Swisscomkabinchen am Bahnhof: "Da hat wohl jemand kein sehr freshes Telefonat geführt". ;-)

Anonym hat gesagt…

ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Jugendsprache in deutschsprachigen Ländern sein kann. "Fresh" ist hier in Hamburg auch verbreitet, aber viele der anderen Ausdrücke gibt es hier gar nicht. Die Jugendlichen, die bei uns vor dem Haus unterwegs sind, die reden eher wie in schlechten amerikansichen Filmen "Hey Digga, alles tight, Digga? Was gehtn ab, Digga" höre ich hier ziemlich häufig.

Anonym hat gesagt…

Das neue Jugendwort 2011 und das Wort des Jahres wurde wieder gewählt. Hier der Link zum 20 Minuten-Bericht von Hermann-Luc Hardmeier:

http://www.20min.ch/news/schweiz/story/22187244

und auch sehr lustig:
Moneyboy beansprucht das Deutsche Jugendwort für sich, hier der Link zu Tilllate:

http://ch.tilllate.com/de/nationaltopstories/das-jugendwort-des-jahres-2011?ref=home-nationaltopstories-200426

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