Mittwoch, 30. Juli 2014

Openair Lumnezia - Festival in luftiger Höhe - Bericht

Zu einem der aussergewöhnlichsten Festivals der Schweiz dürft sicher das Openair Lumnezia bei der Ortschaft Degen im Kanton Graubünden gehören. Wie der Name schon vermuten lässt, findet das Musik-Festival im Lumnezia-Tal statt und hiess deshalb auch ursprünglich einmal Open Air Val Lumnezia. Die erste Ausgabe war schon 1985, so dass dieses Jahr bereits das 30-Jahre-Jubiläum gefeiert werden konnte - und dazu wurde das aus meiner Sicht bis jetzt beste Lineup dieser Veranstaltung auf die Beine gestellt.
Openair Lumnezia - Festival in luftiger Höhe bei Degen im Kanton Graubünden
Das Festival wurde von ca. 13'000 Leuten besucht und ging zwei Tage lang. Die Openairs addieren für die Angabe der Besucherzahl jeweils ihre täglichen Besucher, so dass im Schnitt also 6'500 Besucher pro Tag vor Ort waren. Für diese Grösse konnte das Festival mit einem sehr beachtlichen Star-Augebot aufwarten. Hierzu gehörten Placebo, Kaiser Chiefs, Blood Red Shoes, Bligg und Irie Révoltés - um nur einige zu nennen.
Lumnezia Openair Degen Graubünden - eine Stage - keine Überschneidungen
Beim Lumnezia gibt es nur eine Stage, dafür eine ziemlich beachtliche. Dies hat den grossen Vorteil, dass es keine Überschneidungen bei den Konzerten gibt und man sich alles in voller Länge anschauen kann. Am Freitag hatten wir mit dem Wetter grosses Glück. Das Lumneziatal - "Tal des Lichts" - machte seinem Namen alle Ehre und präsentierte sich lichtdurchflutet bei schönstem Sonnenschein. Diese heitere Stimmung bei erfrischender Bergluft übertrug sich neben den Besuchern auch auf die Acts - Thomas Nikles aka Famara war für uns der erste Act des Tages und Thomi stimmte äusserst gut gelaunt mit seiner fröhlichen Reggae-Musik und einem überzeugenden Konzert auf die weiteren Acts des Festivals ein.
Famara (Thomas Nikles) ist ein Schweizer Reggae-Urgestein
Das grösste Highlight für uns am Freitag waren die Kaiser Chiefs, welche es bereits seit 2003 gibt. Sänger Ricky Wilson war zwischenzeitlich mal ordentlich aufgegangen - mit dem letzten Album kam jedoch neben guten Liedern auch ein athletischer Body zurück und so wirkten Ricky und die Kaiser Chiefs sehr agil und gaben ein erstklassiges Konzert mit viel Power.
Kaiser Chiefs - Openair Lumnezia Schweiz - Ricky Wilson in good shape
Selbstverständlich durften neben ihren neuen Liedern auch die altbekannten Hits wie "Ruby" und "Everyday I Love You Less and Less" nicht fehlen, welche sie energiegeladen zum Besten gaben.





Den Abschluss bildeten am Freitag schliesslich Vitalic Live mit kraftvollem, überzeugenden Sound. Danach ging's weiter an die Afterparty, welche in verschiedenen Zelten stattfand. Die Nacht war ziemlich Nass, doch das 50 Fr. Wurfzelt aus dem Manor hielt dicht - das heisst, so lange man nicht die Wände berührte ;-). Am nächsten Tag ging es feucht-fröhlich weiter. Der erste Act war Dabu Fantastic - Dabu steht übriges für David Bucher für diejenigen, die das nicht wissen sollten. Dabu machte das beste draus und wusste die Besucher trotz des Regens bei bester Laune zu halten.
Dabu Fantastic - David Buchter war trotz Regenwetter fantastisch!
Hier noch ein kleiner Ausschnitt des Auftritts von Dabu Fanatastic. Ja es regnete in Strömen, jenu, was soll's, das gehört zu einem Openair dazu. Wer das nicht will, der sollte eben nur Konzerte in Clubs besuchen oder gleich direkt zu Hause bleiben, da tropfts in aller Regel ebenfalls nicht. Im Video ebenfalls gut zu sehen: Die Veranstalter haben vor der Bühne Holz-gitter ausgelegt, so dass man nicht im Matsch stehen musse - das hat perfekt funktioniert!



Um 17:40 Uhr kamen Blood Red Shoes, eine meiner absoluten Lieblingsbands. Es handelt sich um ein Duo aus Brighton in England, bestehend aus Steven Ansell und Laura-Mary Carter. Beide singen, Steven haut auf's Schlagzeug, Laura-Mary spielt Gitarre. Sie waren immer zu zweit und sie werden immer zu zweit bleiben - mehr Musiker wollen sie nicht aufnehmen - es sei gut so wie es ist, alles andere würde den Charaker der Band ändern was sie nicht wollen.
Blood Red Shoes - Steven Ansell und Laura-Mary Carter aus Brighton (UK)
Die Blood Red Shoes gibt es bereits seit 10 Jahren und sie haben noch nichts an ihrer Power eingebüsst, ganz im Gegenteil. Auf der Bühne wirkten sie energiegeladen wie eh und je und spielten bei bester Laune ein erstklassiges Konzert. Ihr neues Album, welches wie sie selbst "Blood Red Shoes" heisst und gerade erst im März 2014 erschienen ist überzeugt mit zahlreichen Hits wie "An Animal" - das Lied singen sie übrigens, weil sie selbst wie Tiere sind - sie machen was sie wollen und man kann sie nicht kontrollieren - "Yeah I'm an animal that can't be controlled". Den Anfang ihres Konzertes kann man hier nochmals auf YouTube miterleben mit den Songs "Welcome Home" und "I wish I was someone better" von ihrem neuen Album.



Steven Ansell geht nicht gerade sehr zimperlich mit seinen Drumsticks um - das sieht man nach dem Konzerten an den Drumsticks welche wie von einer Ratte abgenagt aussehen (obwohl er sie nach der hälfte des Konzertes jeweils gegen neue tauscht) und vor allem auch an seinen Fingern, welche blutig geschlagen sind. Nun ja, das gehört wohl einfach zum (Schlagzeug-) Spiel, zumindest bei Stevens fanatischer Spielweise.
Blood Red Shoes Drummer Steven Ansell - Die Drumsticks hat er übel zugerichtet
Steven und Laura-Mary sind übrigen sehr nett und völlig auf dem Boden geblieben. Man sollte aber im eigenen Interesse auch zu ihnen nett sein - denn wenn eine Band zu Steven böse ist, pinkelt er ihnen als kleine Rache Backstage ins Bier. Kämpfen könne er nicht, aber das sei nun mal seine Waffe. Also entweder nett sein oder sonst zumindest das Bier mitnehmen wenn man den Backstage für eine kleine WC-Pause oder so verlässt ;-).
Irie Révoltés am Openair Lumnezia - sie folgten auf die Blood Red Shoes
Die Irie Révoltés gibt es bereits seit dem Jahr 2000 und sie sind jeweils mit eine stattlichen Truppe von nicht weniger als 9 Musikern unterwegs. MIt ihrer Mischung aus Reggae, Dancehall, Hip Hop, Ska und Punk sowie Texten auf Deutsch und Französisch sorgen sie für viel Abwechslung auf der Bühne. Hier man man sich ihr Lied "Rebelles" anschauen:



Die Band stammt aus Heidelberg, der Vater der beiden singenden Brüder "Mal Élevé" und "Carlito" stammt jedoch aus Frankreich, weshalb sie ordentlich französischzüngig sind. Das Wort „Irie“ stammt aus der jamaikanischen Kreolsprache Patois und kann mit positiv und glücklich sowie frei übersetzt werden während  „Révoltés“ für das Aufständische steht.
Die SVP: Weder bei den Irie Révoltés noch beim Publikum besonders beliebt
Den einen Bruder "Mal Élevé" haben wir 2007 an einer Soundsystem Show auf dem Hoppetosse Schiffchen in Berlin gesehen - auch alleine weiss er durchaus zu überzeugen, wie hier unschwer zu erkennen ist :-).



Nach Irie Révoltés folgte Bligg und danach kam Placebo als krönender Abschluss. Placebo hatten wir zuletzt 2013 im Rahmen ihrer "Loud like love Tour" im Hallenstadion in Zürich gesehen. Das Hallenstadion ist von der Stimmung her irgendwie immer etwas schwierig - sie will nicht so richtig aufkommen. Zudem lies Placebo damals während der Hälfte des Konzertes einen semitransparenten Vorhang zwischen ihnen und dem Publikum herab hängen - der Sinn dieser Aktion erschliesst sich mir bis heute nicht - jedenfalls war es der Stimmung im Hallenstadion alles andere als förderlich. Ganz anders jedoch am Openair Lumnezia. Brian Molko, Stefan Olsdal und Steve Forrest waren bestens gelaunt. Letzterer, Steve Forrest, der 2008 zur Band gestossene Schlagzeuger, hatte mich als einziger des Trios schon im Hallenstadion völlig überzeugt. Er ist jung, dynamisch und vor allem immer äusserst euphorisch und gut gelaunt und gibt der Band seit 2008 einen neuen Drive, der bis heute anhält.
Steve Forrest - Drummer of Placebo since 2008 - neue positive Power für die Band
Wenn Steve Forrest nicht auf der Bühne ist, hat er ein bisschen einen anderen Style. Die brühmte blonde Mähne bändigt er unter seinem Hut und statt Kontaktlinsen hat er eine Art Nerd-Brille an - auf jeden Fall trotzdem sehr stylisch und Steve war super nett.
Steve Forrest Placebo Schlagzeuger on Stage - Foto: Alessandro Caniglia, CC BY-SA 3.0
Placebo rockten die Alpen mit ihren neuen Album: "Loud like love" sowie auch vielen von ihren älteren Hits. Als Unterstützung hatten die drei Placebo-Mitglieder noch Fiona Brice mit dabei, welche sie mit Keyboard, Violine, Percussion und Background-Gesang unterstützte sowie Nick Gavrilovic mit Gitarre, Keyboard und Background-Gesang.
Placebo live am Openair Lumnezia 2014 mit Fiona Brice und Nick Gavrilovic
Seit der neue Schlagzeuger Steve Forrest am Start ist tönen auch die alten Hits der Band wieder jünger und knackiger - er hat der Band wieder neues Leben eingehaucht und frischen Wind hinein gebracht, was man in folgenden Videos von Placebo Autritt am Openair Lumnezia unschwer erkennen kann.

Placebo - The bitter End - ein alter Klassiker



Placebo - Rob the Bank vom neuen Album: Loud like Love



Alles in allem ein wunderbares Openair in einem sehr speziellen Ambiente mit frischer Bergluft in luftiger Höhe. Bis zum nächsten Mal, wir kommen gerne wieder! :-)

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...