Dienstag, 15. Januar 2013

Neue Details im Feuer-Drama um Heinz Möckli

Das Schaffhauser Stadtoriginal Heinz Möckli hat sein Zuhause verloren. Von seinem Wohnwagen stand gestern Morgen nur noch das Gerippe. Verschiedene Medien berichteten bereits über den Schicksalsschlag. Nun hat „Jesus“, wie er in Schaffhausen auch liebevoll genannt wird, auch dem Blick ein Interview gegeben. Wir merken an dieser Stelle noch einmal an, dass Heinz Möckli diesen Spitznamen nicht gerne hört („Ich mag den Namen nicht, weil ich nicht Jesus bin“, so seine einleuchtende Begründung). Trotzdem nennen wir diesen Namen hier, weil viele Heinz Möckli wahrscheinlich gar nicht unter seinem echten Namen kennen. Der 59-jährige mit seinem blonden Engelshaar, dem Rauschebart und stets mit einem Stapel Lollipops „bewaffnet“, die er gerne verschenkt. Seine hagere Gestalt, seine Gutmütigkeit (Er verlangt kein Geld für die Lollies und schlichtet oft bei Streitigkeiten im SH-Nachtleben) und die Tatsache, dass er stets barfuss unterwegs ist (angeblich seit 1986), rücken ihn tatsächlich äusserlich ein wenig in die Nähe von Jesus. Im Interview mit Blick erfahren wir, dass Heinz alles verloren hat, bis auf sein grünes Kanu und die Kleider auf dem Leib. Auch die Agenda mit den Telefonnummern seiner Kunden und alle seine Ausweise sind in Rauch aufgelöst. Besonders schlimm: 1500.- Erspartes wurde ebenfalls ein Raub der Flammen. Heinz wollte sich damit einen neuen Wohnwagen kaufen. Die Frage erübrigt sich, ob sein altes Zuhause versichert war. Um es kurz zu machen: Nein, war es natürlich nicht.

Bildquelle: www.orient.ch

Vom TV-Genuss aufgeschreckt

Der gelernte Werkzeugmacher lebte ohne grossen Luxus. Er hatte einen kleinen Fernseher im Wohnwagen. Seit vier Jahren wohnt er dort, angeblich soll er vorher in einer sozialen Einrichtung (Schwesternheim) Unterschlupf gefunden haben. Ausgaben für Kleider hat Heinz nur selten. Schuhe beispielsweise brauchte er ja nicht. Auch hierfür hatte er übrigens eine einleuchtende Begründung: „Seit ich barfuss gehe, war ich nie wieder krank.“ Doch wie konnte bei ihm ein Feuer ausbrechen? „Ich schaute am Abend etwas fern, Arte oder Phoenix. Plötzlich höre ich ein seltsames Knistern. Zum Glück habe ich noch nicht geschlafen.“ Er sprang auf und riss die Tür auf. Sein Stromgenerator stand im Vollbrand. Heinz Möckli hatte Angst, dass ihm gleich die Gasflasche um die Ohren fliegen werde. Er zog sie vom Wohnwagen weg und versuchte – unter anderem mit seinen nackten Füssen - das Feuer zu löschen. Ein auswegsloser Kampf. Das lodernde Rot kannte kein Erbarmen. Er konnte keiner seiner Habseligkeiten retten. Nebst den Füssen trug er Brandwunden am Kopf und an der Hand davon. „Am meisten ärgere ich mich über den versengten Bart. Das dauert Jahre, bis die Haare wieder nachwachsen“, sagte er zornig. Heinz musste aufgrund seiner Verletzungen sogar in das Spital. Als er wieder heimgehen konnte, wurde er sofort von den Boulevardmedien aufgespürt. Angeblich in einem unbeheizten Schopf nahe der Brandstelle. Er bewiess dort immerhin eine Prise Galgenhumor, als man ihn fragte, ob er wirklich alles verloren habe? „…Schuhe hatte ich sowieso nie.“ Heinz Möckli war gegenüber dem Blick am Dienstag ratlos, wo er die nächste Nacht schlafen soll und wie alles weiter geht. Sein grösster Wunsch ist ein gebrauchter Wohnwagen. „Irgendwo muss ich ja leben. Im Wohnwagen habe ich meine Ruhe.“ Erspartes hat Heinz Möckli nach eigenen Angaben gar nichts auf der Seite. Auch auf den Bezug von Sozialhilfe verzichtet er angeblich. Hilfe bekommt Heinz Möckli in dieser schlimmen Situation nun von ungewohnter Seite. Der Besitzer des Clubs „Orient“ in Schaffhausen ruft zu einer Spendenaktion auf und widmet die gesamten Einnahmen der kommenden Party am Samstagabend dem Schaffhauser Stadtoriginal.

Folgendes ist derzeit auf der Homepage zu lesen:

„Der Eintritt an diesem Abend ist zugunsten von Heinz, damit er seinen abgebrannten Wohnwagen ersetzen kann. Heinz braucht einen neuen Wohnwagen….Das Orient spendet die Ticketeinnahmen vom Samstag zugunsten vom Heinz. Infernale Carnevala mit Sam, Pfund 500, Levi Blind uvm. Türöffnung 22 Uhr. Ausserdem richten wir ein Spendenkonto zugunsten vom Heinz ein, damit ihr auch eure Spenden überweisen könnt.“

SPENDENKONTO HEINZ:

Schaffhauser Kantonalbank
Heinz Möckli, Namensparkonto 202.543-8
IBAN: CH 1500782000002025438

Die Spendenaktion wird übrigens auch von "Radio Munot" unterstützt. Das Lokalradio berichtete schon einige Zeit vor dem Blick detailliert über den Brand...

Wir von Schaffhausen.net wünschen Heinz Möckli, dass er bald wieder eine Bleibe erhält und dass er sich von diesem Schicksalsschlag erholen kann. Er selber gab sich am Dienstag optimistisch. „Ich gebe nicht auf. Irgendwo geht immer eine Tür auf. Ich bin ein Chrampfer“, sagt er nachdenklich und streicht über seinen vom Feuer versengten Bart.

 Wir drücken Dir die Daumen Heinz!
Für Schaffhausen.net, Hermann-Luc Hardmeier.

Nachtrag:
Die Spendenaktion ist mittlerweile beendet und es sind über 10 000 Franken zusammengekommen. Heinz Möckli hat sich dafür einen neuen Occasions-Wohnwagen gekauft und verfügt damit wieder über ein glückliches Zuhause. Es ist schön zu sehen, dass die Schaffhauser für einen guten Zweck und die gute Seele Heinz Möckli so grosszügig waren.

von Hermann-Luc Hardmeier

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich finde genial wie Schaffhausen darauf reagiert. Er hat es verdients. Nächstes mal kontrolliert er dann vielleicht auch zweimal, ob der Joint auch wirklich aus war ;)

Anonym hat gesagt…

DAS ist Zusammenhalt, RESPEKT! Schaffhausen zeigt Herz! S.P.

Wolfgang Freitag hat gesagt…

(off topic)
"Das lodernde Rot kannte kein Erbarmen" — Klasse Satz!

Anonym hat gesagt…

Hee Hermann-Luc. Berichtest du dann wieder darüber, wenn die Spendenaktion vorbei ist? Please let us know! LG Marion

Anonym hat gesagt…

En Joint goht vonelei us. tss..

Alles gueti Heinz!

DerDoktor hat gesagt…

@Marion:

Yeah ich bleibe dran, ich weiss aber bislang noch nicht, ob je veröffentlicht wird, wie viel Geld für Heinz zusammengekommen ist. (Geht uns ja eigentlich auch nix an). Gerüchte besagen jedoch, dass bis heute knapp 2000.- Fränkli gespendet wurden. Auf Facebook hat sogar jemand gepostet, dass ein Occasaionswohnwagen für 19 000 für Heinz gefunden wurde (finde ich aber ein wenig teuer). Ich bin einmal gespannt, was noch zusammenkommt z.B. mit der Orientparty und mit den Spenden der Leute, die angekündigt haben, sie werden spenden. Wenn nur einmal alle, die auf Facebook angekündigt haben, sie würden Heinz unterstützen, 100.- Franken zahlen würde, dann könnte sich unser Stadtoriginal wohl einen Wohnwagen mitsamt Ferrari kaufen. ;-)

Ich versuche mehr herauszufinden. Lieber Gruss, Hermann-Luc Hardmeier

Anonym hat gesagt…

es sind derzeit sogar erst etwa 1300.- habe ich gehört. also los, macht mal eure nötli locker!

DerDoktor hat gesagt…

Breaking News: Der Kontostand hat die 10 000er Marke geknackt. Bei fast 10 500 Franken stand der Spendenpegel heute am 21. Januar. Unglaublich, wie viele sich mit Heinz solidarisch zeigen. Nicht zu vergessen die Einnahmen von der Orient Party...

Anonym hat gesagt…

Lollis verteilen , barfuss und bekifft Auto fahren und Ihr macht gleich einen JESUS aus ihm !!! ???
... und mit `ner brennenden "Tüte" im Näscht kann man sehr wohl ein schönes Füüerli machen...ab zum Doktor !!!

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